Zeitung Heute : Gut Holz

Trippen-Schuhe sind witzig, modisch, giftfrei und richtig robust. Ihre Macher setzen auf altes Handwerk – und sind damit weltweit erfolgreich

Sie sind lila, gelb oder schwarz, ihre Sohlen sind aus Holz oder Gummi, meist flach, manchmal hoch. Aufgenähte Quadrate, Raffungen, gestanzte Löcher oder geflochtene Lederbänder gehören zum Design. „Je einfacher, desto besser“, sagt Geschäftsführer Michael Oehler. Typisch für die Schuhe sei, dass sie ihre Form nicht durch spitze oder runde Vorder- und Hinterkappen bekommen, sondern durch den Schnitt des Leders. Trippen hat in Berlin Tradition: Den Flagshipstore in den Hackeschen Höfen gibt es schon seit 15 Jahren.

Trippen sind anders. Die Schuhe aus Büffel- oder Elchleder sind nicht nur geklebt, sondern mit einem kräftigen Garn genäht. Die Schäfte werden zuerst an eine Brandsohle und schließlich an die eigentliche Gummilaufsohle angenäht. Diese Herstellungsart haben sich die beiden Gründer und Geschäftsführer Angela Spieth und Michael Oehler patentieren lassen. Durch diese Technik können die Laufsohlen einfach abgetrennt, recycelt und gegen eine neue Sohle ausgetauscht werden. Auch das Innenleben der Schuhe, ein Fußbett aus Kork, ist austauschbar. Das Design entwickeln Spieth und Oehler in Berlin, produziert wird in Manufakturen im brandenburgischen Zehdenick und in Norditalien. Liebhaber finden die stylishen Treter in mehr als 35 Ländern, besonders viele aber in Japan. Dort werden das naturbelassene Material, die traditionelle und nachhaltige Herstellung besonders geschätzt.

Michael Oehler hat als Schuhmacher begonnen und 1987 seine Meisterprüfung absolviert. In einem Kreuzberger Hinterhof baute er eine eigene Werkstatt auf und fertigte Maßschuhe für Theater- und Filmproduktionen sowie anspruchsvolle Einzelkunden. Seine Leitlinie ist bis heute unverändert: eine anatomisch gerechte Passform, weitgehend giftfreie Materialien und eine handwerklich perfekte Verarbeitung.

Angela Spieth, die studierte Bekleidungsdesignerin, entwarf Modelle für Bama, eine mittelständische Schuhfabrik im Odenwald und lernte gleichzeitig viel über Produktion und Vertrieb. Sie arbeitete für große Firmen und war viel in der Welt unterwegs. Als sie einen in Vietnam hergestellten Schuh in Händen hielt – Produktionskosten: knapp einen Euro, billiges Material , gefertigt von ausgebeuteten Arbeitern – war ihr klar: Massenproduktion ist nicht ihr Ding.

Dann der glückliche Zufall: Oehler und Spieth lernten sich in einer Berliner Galerie kennen, suchten gemeinsam nach neuen Wegen. 1991 entdeckten sie in einer alten Fabrik unbenutzte Holzsohlen und präsentierten nach wochenlangem Experimentieren in einer Berliner Galerie zwei Dutzend Holzschuhe – selbst gefärbt, genagelt und geschliffen. Das war die Geburtsstunde der Firma Trippen und gleichzeitig ein großer Erfolg. Modedesigner wie Wolfgang Joop orderten die Modelle für ihre Modeschauen.

Der Name hat im Übrigen Geschichte: Im Mittelalter bezeichnete man hölzerne Unterschuhe als Trippen. Die sollten die richtigen Schuhe vor Unrat auf der Straße schützen. Mit dem Ziel, gute, schöne und ökologisch sinnvolle Schuhe zu produzieren, entwickelten Spieth und Oehler weitere Kollektionen und probierten verschiedene Vertriebswege aus. Auf der Schuhmesse in Paris gelang ihnen 1995 der Durchbruch: Einer der angesagtesten Pariser Schuhläden nahm Trippen ins Sortiment auf. Danach eroberte Trippen die Welt. Nach dem ersten Laden in den Hackeschen Höfen eröffneten Oehler und Spieth Geschäfte in London und Tokio, Büro und Lager bezogen neue Räume in Treptow. Die Macher erhielten internationale Designauszeichnungen. Weitere Shops in Deutschland, Japan, Spanien und Israel kamen hinzu, der Produktionsort, ein ehemaliges Schuhkombinat in Zehdenick, wurde durch einen Neubau erweitert.

Heute beschäftigt das Unternehmen 140 Mitarbeiter und 14 Auszubildende, die an Werktischen und nicht am Fließband arbeiten. Seit drei Jahren übersteigt der Jahresumsatz zehn Millionen. „Wir wachsen jährlich um zwei bis 15 Prozent“, sagt der 49-jährige Michael Oehler. Nur im vergangnen Jahr blieben die Umsätze unverändert, mehr haben die beiden von der Krise nicht gespürt.

Doch Wachstum allein sei nicht ihr Ziel, sagen sie, sondern weiterhin besondere Schuhe zu fertigen. Jährlich gehen rund 130 000 Paar über den Ladentisch. Schnitte und Silhouetten werden nicht jede Saison verändert, die Kollektion pflegt ihre Klassiker. „Alles, was nur eine Saison getragen werden kann, ist für uns tabu“, sagt Angela Spieth. Trippen sollen Lieblingsschuhe werden, deren Einzelteile nach langem Tragen ausgetauscht und recycelt werden. Ihre Macher setzten auf Klasse statt Masse, und das hat seinen Preis. Ab etwa 150 Euro sind die modischen Treter zu haben.

www.trippen.com

Unsere Leitlinie ist bis heute unverändert: anatomisch gerechte Passform, weitgehend giftfreie Materialien und handwerklich perfekte Verarbeitung.“

Michael Oehler

und Angela Spieth,

Geschäftsführer des Schuh-Labels Trippen

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