Zeitung Heute : Gut, schön und digital - allerdings ohne viel Geld

Carsten Rave

Theater und Fernsehen - ein ewiger Widerspruch? Nicht, wenn es nach dem ZDF geht. Heute startet der Mainzer Sender um 11 Uhr im Studio 3 auf dem Mainer Lerchenberg den ersten deutschen Fernseh-Theaterkanal. Prominente wie TV-Moderator Roger Willemsen, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Jürgen Flimm, Theaterregisseur Peter Stein und die Schauspielerinnen Anne Bennent und Sophie von Kessel werden beim Start, der live im Theaterkanal und im ZDF übertragen wird, dabei sein.

Der ZDF-Theaterkanal muss "mit sparsamsten Mitteln" auskommen, wie der Leiter der Programmgruppe Theater im ZDF, Wolfgang Bergmann, sagt. Für das Jahr 2000 steht lediglich ein einstelliger Millionenbetrag zur Verfügung, für die Gebührenperiode vom Jahr 2001 bis 2004 seien bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) im öffentlich-rechtlichen Rundfunk rund 13 Millionen Mark Budget jährlich beantragt. "Das kostet den Gebührenzahler weniger als eine Freikarte fürs Theater", sagt Bergmann.

Der Theaterkanal ist nur über einen digitalen Decoder zu empfangen. Der bekannteste Decoder ist derzeit die d-box. Wer zu Hause einen digitalen Satellitenreceiver installiert hat, kann auch das Programm empfangen. Die Reichweite wird auf etwa eine Million Haushalte beziffert. Der Sender, der täglich von 9 bis 14 Uhr und von 19 Uhr bis etwa Mitternacht auf Sendung ist, zeigt überwiegend Theateraufzeichnungen, Dokumentationen, Gesprächssendungen, Porträts und täglich um 19 Uhr das Theatermagazin "Leporello".

Der Theaterkanal will bei Uraufführungen dabei sein, kann aber ebenso auf das reichhaltige Archiv im ZDF, das mit 500 Inszenierungen gespickt ist, zurückgreifen. Das Fernsehen bringe dem Theater durch seine dokumentarische Funktion den entscheidenden Mehrwert, sagt der Direktor Europäische Satellitenprogramme beim ZDF, Walter Konrad. "Wir erreichen keine Hollywoodstärke", prophezeit Bergmann.

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