Zeitung Heute : Gute Aussichten

Am Großflughafen werden bis 2012 fast 40 000 neue Arbeitsplätze erwartet. Einige Stellen sind schon frei

Rainer W. During

Der neue Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld soll zur Jobmaschine für die Region werden. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes pro BBI vor zehn Tagen sei schon in der Bauphase für die Region „Gold wert“, sagt der Cottbusser IHK-Geschäftsführer Joachim Linstedt. Und nach einer Studie soll sich der Gesamtbeschäftigungseffekt der Berliner Flughäfen bis 2012, dem ersten vollen Betriebsjahr des neuen Airports, mehr als verdoppeln. Rund 73 000 Arbeitsplätze könnten dann direkt oder indirekt vom Airport abhängen. Gegenwärtig sind es etwa 34 000.

Es beginnt bereits mit dem Bau des Zwei-Milliarden-Projektes. Wenn die Arbeiten 2007 richtig anlaufen, rechnen Experten mit einem jährlichen Bedarf von rund 7200 Arbeitskräften. Die Aufträge werden europaweit ausgeschrieben, die ordnungsgemäße Vergabepraxis von Transparency International überwacht. Dennoch werden den regionalen Baufirmen guten Chancen eingeräumt.

Bereits die gesamte Umsiedlung des Dorfes Diepensee erfolgte durch regionale Firmen. Auch etwa 85 Prozent der bisher für rund 100 Millionen Euro erteilten Aufträge zur Bauvorbereitung gingen an Unternehmen aus Berlin und Brandenburg, so Flughafensprecher Ralf Kunkel. Skeptisch äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg, Wolf Burkhard Wenkel. Die BBI-Baulose seien so groß geschnitten, dass dem Mittelstand nur das Ende einer langen Subunternehmerkette bleibt, so seine Befürchtung. Generalauftragnehmer sollten deshalb verpflichtet werden, im Rahmen beschränkter Ausschreibungen Unteraufträge an Firmen aus der Region zu vergeben.

Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) ermuntert kleinere Unternehmen, Arbeitsgemeinschaften zu bilden. IHK-Mann Linstedt erwartet, dass rund 15 Prozent der BBI-Aufträge in der Region bleiben. Bei der Auftragsberatungsstelle Brandenburg wurde bereits ein Bieterverzeichnis eingerichtet. 218 Firmen ließen sich bisher eintragen und bekundeten so ihr Interesse, am BBI mitzubauen. Die IHK Potsdam organisiert am 4. April in Wildau ein Seminar für Bieter.

„Wir werden auch den Baufirmen anbieten, sie bei der Suche nach Arbeitskräften zu unterstützen“, sagt Matthias Freitag vom Jobcenter der Arbeitsagentur in Schönefeld. Bereits seit zwei Jahren gibt es die Berufsberatung und -vermittlung am Airport. Bis die ersten Kräfte eingestellt werden, werde allerdings noch einige Zeit vergehen, so Freitag. Erst wenn sie den Zuschlag erhalten hätten, würden Baufirmen mit der Suche nach Mitarbeitern beginnen.

Aktuell hat das Jobcenter gerade eine Aktion zur Rekrutierung neuer Luftsicherheitsassistenten für die seit Jahresbeginn europaweit verschärften Passagier- und Mitarbeiterkontrollen abgeschlossen. Die letzte Infoveranstaltung im April ist bereits weitgehend ausgebucht. Vereinzelt wird zurzeit Abfertigungspersonal gesucht. In der auch im Internet veröffentlichten Airport-Jobbörse wird vor allem technisches Personal für die Triebwerkshersteller Rolls-Royce in Dahlewitz und – über eine Zeitarbeitsfirma – MTU in Ludwigsfelde gesucht.

„Nach dem grünen Licht aus Leipzig hoffen wir natürlich, dass sich immer mehr Investoren im Flughafenumfeld niederlassen werden“, sagt Matthias Freitag. Hier gebe es nicht nur geeignete Flächen, sondern auch qualifizierte Arbeitskräfte. Gemeinsam mit der Flughafengesellschaft ist eine Investorenmesse geplant. Zu den bereits konkreten Vorhaben gehört die Erweiterung des Schönefelder Holiday Inn-Hotels. Auch ein Blick auf die Webseiten der Billigflieger lohnt sich. Hier werden schon jetzt immer wieder Flugbegleiter gesucht.

Zum Angebot des Jobcenters gehört auch die Vermittlung von Trainings- und Qualifizierungsmaßnahmen. Hier ist unter anderem die Firma Trainico aktiv. Das in Schönefeld ansässige Tochterunternehmen von Lufthansa Technical Training und der Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH bietet Aus- und Weiterbildung in Luftfahrtberufen, etwa zur Luftverkehrskauffrau oder zum Fluggerätmechaniker. Die Kosten können von der Arbeitsagentur übernommen werden.

Regionale ebenso wie überregionale Unternehmen werden im Rahmen des Career Centers auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Schönefeld am 19. Und 20. Mai von 11 bis 18 Uhr in Halle 4 über Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten in der Branche informieren. Die Palette reicht von Piloten und Konstrukteuren über IT-Spezialisten und Kaufleute bis hin zum Reinigungspersonal. Vertreter von Spitzenunternehmen wie Airbus, EADS, Lufthansa erläutern Einsteigern Bedarf und Berufsperspektiven.

Gegenwärtig sind gut 14 000 Menschen direkt an den Berliner Airports beschäftigt. Größte Arbeitgeber sind der Lufthansa-Konzern und die Flughafengesellschaft selbst sowie als gemeinsame Tochter das Abfertigungsunternehmen GlobeGround Berlin. Wenn der BBI Ende 2011 in Betrieb geht, werden allein dort weitere 3900 Arbeitsplätze entstehen. Das besagt eine Studie des Kölner Instituts für Verkehrswissenschaften und der KE-Consult. Dabei geht es nicht nur um direkte Luftfahrt-Tätigkeiten sondern etwa auch um die erwarteten neuen Einzelhandelsgeschäfte, betont Matthias Freitag. Bis zu 35 000 Jobs werden durch den BBI im Umfeld kreiert. „Das reicht von Arzt- und Rechtsanwaltspraxen bis hin zur Forschungseinrichtung“, so der Jobvermittler. So werde sich beispielsweise die gute Anbindung zum nahen Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof als „Magnet“ erweisen.

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