Zeitung Heute : Gute Bekannte

Die gesuchten Personen des diesjährigen Weihnachtsrätsels stammen alle aus dem 20. Jahrhundert

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Ein etwas anderer Modeschöpfer

1Der in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts Geborene war der Sohn eines Marineoffiziers und wurde streng und gut bürgerlich erzogen. In seinen Kinder und Jugendjahren fand er schwer Anschluss an Gleichaltrige und flüchtete sich in seiner Einsamkeit in die Literatur, die auch in seiner beruflichen Laufbahn eine wesentliche Rolle spielen sollte. Er begann als Lehrer in einigen Gymnasien in einer Hafenstadt seines Landes und arbeitete unter anderem in der Stadt, in der die gesuchte Person Nummer fünf gestorben ist. Später ging er für ein Jahr mit einem Stipendium nach Deutschland, das Land, aus dem zwei der größten Köpfe seiner Profession stammten. Ihre Lehren jedoch übernahm er nicht, denn er hatte von Anfang an immer nur ein Ziel vor Augen: Er wollte die Menschen von der praktischen Relevanz eines philosophischen Begriffs überzeugen, der wohl zu den prominentesten dieser Wissenschaft gehört. Dieses Vorhaben brachte er in allem, was er tat, zum Ausdruck. Die Kirche ließ seine Schriften wegen des unverhohlenen Atheismus auf den Index setzen. Er provozierte aber auch mit anderen Themen: seiner Vorliebe für den Marxismus etwa. Andererseits war er einer der Ersten, die den Einmarsch der Sowjets in Ungarn und die Zerschlagung des Prager Frühlings verurteilten. Angefeindet, missverstanden und doch weltweit bewundert, avancierte er zu einem der Populärsten seiner Zeit: Als er fast 75-jährig starb, folgten seinem Sarg über 50 000 Trauernde.

Ein Vorbild vieler Frauen, erfolgreich – und traurig

2Obwohl schon ihr Vater beruflich mit Literatur zu tun hatte und ihre schriftstellerischen Ambitionen unterstützte, war ihre Kindheit alles andere als glücklich. Sie war erst 13 Jahre alt, als ihre Mutter starb. Der Vater blieb mit acht Kindern zurück, wovon vier aus früheren Ehen der Eltern stammten. Dieser Situation nicht gewachsen, überließ er die Geschwister weitgehend sich selbst. Ein Halbbruder übernahm die Rolle des Beschützers. Vermutlich nutzte er diese aber mit ganz anderen Absichten zu seinem Vorteil aus. Nach dem Tod ihres Vaters schuf sie sich in der Hauptstadt ihres Landes eine Art Ersatzfamilie in einem Kreis von Künstlern. Dort begegnete sie auch dem Mann, der ihr ein enger Freund wurde und dessen mehrfach angebrachten Heiratsantrag sie – für damalige Verhältnisse – erst spät annahm. Er, ein ehemaliger Kolonialbeamter, gab ihr nicht nur den Namen, unter dem sie ihre Romane und Essays schrieb. Er gründete auch einen Verlag für sie, in der Hoffnung, sie mit praktischer Arbeit von ihrer Seelenqual abzulenken. Obwohl das Paar eine glückliche Ehe führte, unternahm die Schriftstellerin einen ersten Selbstmordversuch schon kurz nach der Hochzeit. Sie sah das Schreiben immer auch als eine Art Therapie gegen ihr psychisches Problem an. Letztlich erlag sie ihren Qualen jedoch 59-jährig.

Ein Konstrukteur aus sozialer Verantwortung

3Sein Vater besaß ein eigenes Architekturbüro, sein Onkel war Leiter der preußischen Kunst- und Gewerbeschule – so lag es nahe, dass er sich zum Architekturstudium einschrieb, erst an der Technischen Hochschule in München, dann in Berlin. Mit 25 Jahren fand er eine Anstellung im Architekturbüro des damals Bekanntesten seines Metiers, gab diese aber drei Jahre später auf und machte sich selbstständig. Seine ersten Aufträge waren nicht viel mehr als Industriedesign, bis er, zusammen mit einem Kollegen, ein Fabrikgebäude baute, das als wegweisend beachtet und bewundert wurde. Es zeigte schon damals die für ihn typischen Merkmale: Schlichte, strenge Geometrie, schmucklose Klarheit und große Glasflächen. Danach folgten Wohnbauten, bei denen es ihm hauptsächlich darauf ankam, den Menschen ein „komfortables Zuhause“ zu erschaffen: Häuser mit viel Licht und Weite. 1919 übernahm er die Leitung zweier zusammengelegter Kunsthochschulen, aus denen eine Institution wurde, die als Mittelpunkt deutscher moderner Architektur galt, und dessen von ihm entworfener Bau wohl sein bekanntester ist. Auch um neue Wege in der Kunst ging es ihm – lange Zeit plante er mit einem berühmten Theaterregisseur ein „Totaltheater“, aus dem letztlich aber nichts wurde. Denn auch er musste, wie viele Avantgardisten, Deutschland verlassen, emigrierte nach Großbritannien und ging später als Professor für Architektur an eine Universität in den USA. Erst lange nach dem Krieg begann er wieder in Deutschland zu arbeiten, seinen amerikanischen Wohnsitz behielt er bis zu seinem Tod. Er starb dort mit 86 Jahren.

Eine Pädagogin, die die Kinder entscheiden ließ

4Sie war fast 30 Jahre alt, als das zwanzigste Jahrhundert begann und es blieben ihr immerhin noch 52 Jahre, um nicht nur ihrem eigenen Land, sondern auch vielen anderen zu zeigen, wie eine moderne Betreuung der Kinder deren Lernfähigkeit und Freude an Bildung steigert und verbessert. Sie selbst hatte es sich nicht gerade leicht gemacht: Sie stammte aus einem südeuropäischen Land, war immer schon an Mathematik und besonders an Naturwissenschaften interessiert und wollte Ärztin werden. Was nun ganz unüblich war, denn diesen Beruf gab es damals für Frauen noch nicht. Ihr Vater war gegen ihre Pläne. Ihre fortschrittlich eingestellte Mutter unterstützte sie. Nach dem Studium spezialisierte sie sich erst auf Kinderkrankheiten, arbeitete später aber als Chirurgin sowie in der Psychiatrie. Dort kam sie mit geistig behinderten Kindern in Berührung, die man, eingesperrt und verborgen, einfach sich selbst überließ. Sie erfand neue Methoden und Theorien, sie zum Lernen zu animieren, erzielte ungeahnte Erfolge und übertrug – nachdem sie auch noch ein anderes Studium aufgenommen hatte – diese Praktiken auf nicht behinderte Kinder. Dass sie einen unehelichen Sohn bekam, machte ihr Leben nicht eben leichter. Der grundlegende Gedanke ihrer Erziehungsmethode wurde nach und nach von vielen anderen Ländern übernommen, während des Zweiten Weltkriegs allerdings in ihrem Land verboten. Sie verbrachte die Kriegsjahre in Indien, kehrte später nach Europa zurück, verfasste Bücher und Schriften über diese Form der Erziehung und unternahm Vortragsreisen, bei denen sie von ihrem Sohn begleitet wurde. Sie starb in einem holländischen Seebad.

Ein Maler auf dem zweiten Bildungsweg

5Er gehörte zu jenen Malern, die die Welt anders zu sehen und zu zeigen begannen. Erst verhältnismäßig spät begann er mit der neuen Malerei und das erste Bild, das er so schuf, erschreckte sogar ihn selbst: Statt einer Landschaft zeigte es ausschließlich die Farbenpracht eines glutroten Sonnenuntergangs. Sein Erschrecken dauerte allerdings nicht lange, er sah sehr bald in der Realität etwas anderes und war damit seiner Zeit – und dem Verständnis seiner Zeitgenossen – weit voraus. Als Sohn eines Teehändlers begann er nach der Schulzeit Volkswissenschaft und Jura zu studieren, wurde Mitglied einer juristischen Gesellschaft und erhielt schon in jungen Jahren den Ruf als Professor an eine ausländische Universität, den er jedoch ablehnte. Denn das war die Zeit, als er sich ernsthaft und ausschließlich der Malerei zuwandte, angeregt auch von den französischen Impressionisten. Zum Kunststudium ging er zunächst nach München, hatte sich in der Zwischenzeit aber schon durch das Verfassen kunsttheoretischer Bücher einen Namen gemacht, darunter einem über die Farbenlehre. In einem Kreis deutscher Maler nahm er eine Schlüsselrolle ein. Bei Beginn eines Weltkrieges ging er in sein Heimatland, kam aber später nach Deutschland zurück und wurde Lehrer, oder wie man damals sagte „Meister“, in einer berühmten Institution. Später emigrierte er in die Nähe von Paris. Dort starb er 78-jährig. Der Titel seines letzten Bildes könnte über seinem gesamten Werk stehen.

Eine Primadonna mit gebrochenem Herzen

6 Sie war eine Diva wie es sie heute wohl kaum mehr gibt. Geboren wurde sie in New York als Kind einer armen südeuropäischen Einwandererfamilie, die gerade drei Monate zuvor in die USA gekommen war. Die Ehe der Eltern brach auseinander und als sie 14 Jahre alt war, ging die Mutter mit ihr und ihrer Schwester in die Heimat zurück. Dort, in der Hauptstadt, begann sie eine Ausbildung am Konservatorium, trat aber vorerst nur in Schüleraufführungen und als Mitglied einer Musiktheatergruppe auf. Bis sich, 1942, das ereignete, wovon wohl jeder künstlerisch tätige Mensch in dieser Branche träumt: Sie erhielt ihre erste große Rolle und meisterte diese mit solcher Bravour, dass sie großes Aufsehen erregte und sofort weitere Engagements erhielt. Unterdessen verstand sie sich allerdings nicht mehr mit ihrer Mutter. Sie ging zurück nach New York, zu ihrem Vater, wo die Konkurrenz natürlich weit größer war. Deshalb nahm sie nur zu gern ein Engagement bei Festspielen in Italien an. Und dort begann dann ihr weltweiter Triumphzug. Man riss sich um sie, sie wurde der Liebling des Publikums – allerdings auch der Regenbogenpresse, die regen Anteil an ihrem exzessiven Privatleben nahm: Scheidung, eine stürmische Liebesaffäre, Hungerkuren, ein Selbstmordversuch, ein totgeborenes Kind und endlich ein letzter Auftritt, der zum Fiasko wurde. Mit 54 Jahren starb sie an Herzversagen. Ihre treuen Verehrer waren der Ansicht, dass der Tod ihres ehemaligen Geliebten zwei Jahre zuvor ihr wohl das Herz gebrochen hatte.

Ein harter Arbeiter, der auch feiern konnte

7 Er besuchte schon in jungen Jahren die Militärschule seines Landes, entwickelte sich zu dem begabtesten Schüler und war ebenfalls sehr früh der wohl populärste General des Reiches, das soeben einen weltweiten Krieg mit verloren hatte. Er sah voraus, dass grundlegende Veränderungen nötig und wichtig waren, sorgte dafür, dass der bisherige Herrscher abgesetzt und der Staat zu einer Republik wurde. In dieser wurde er zum ersten Präsidenten gewählt. Er schuf eine neue Verfassung, ersetzte die alte Rechtsprechung durch ein neues Gesetzbuch, verfügte, dass alle Einwohner des Landes einen Familiennamen annehmen mussten und erreichte sogar, was am längsten dauerte, dass die Frauen ein Wahlrecht erhielten. Ein Demokrat im heutigen Sinne war er allerdings nicht unbedingt, denn gegnerische politische Strömungen und Personen brachte er stets schnell zum Schweigen. Er fühlte sich eher als Schulmeister, der sein Volk davon überzeugte, was für es am besten war und am ehesten in die Moderne führen würde. Er arbeitete hart und ohne sich zu schonen, konnte andererseits auch nächtelang trinken und erfrischte sich nach durchzechten Nächten mit wilden Ritten im Morgengrauen. Dieser Lebenswandel war wohl mit der Grund dafür, dass er schon mit 56 Jahren an einer Leberzirrhose starb.

Eine Nonne, die außerhalb des Klosters wirken wollte

8Sie war Zeit ihres Lebens eine überzeugte und tatkräftige Christin. Aufgewachsen in einer Stadt, die erst serbisch, dann jugoslawisch war, verlebte sie als Tochter albanischer Eltern katholischen Glaubens eine behütete und sorgenfreie Jugend, denn ihr Vater war ein wohlhabender und einflussreicher Geschäftsmann. Sehr früh allerdings, da war sie gerade erst acht Jahre alt, starb ihr Vater. Im Alter von zwölf Jahren beschloss sie, ihr Leben der Religion zu widmen. Sie trat 18-jährig in einen Orden ein, legte ihr Gelübde ab und erhielt einen neuen Namen. Einige Zeit verbrachte sie zunächst in Dublin, ehe es sie in ein sehr viel weiter entlegenes Land zog. Dort wurde sie dann Direktorin einer Anstalt, die hauptsächlich Waisenkinder betreute und erzog. 1948 verließ sie den Orden, hatte allerdings nie das Gefühl, ihre Gelübde zu brechen, sondern war eher der Überzeugung, dass sie sich außerhalb des behüteten Klosterlebens intensiver den Hilfsbedürftigen widmen könne. Sie gründete später einen eigenen Ordensbetrieb und nannte ihn den „am schlechtesten organisierten Orden der Welt“. Trotzdem schaffte sie es, seinen Betrieb äußerst erfolgreich aufrecht zu erhalten. 87-jährig ist sie gestorben.

Ein Unternehmer, dem das Rechnen zu mühselig war

9Er wurde im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts als Sohn einer preußischen Beamtenfamilie geboren. Es zeigte sich schon früh, wie vielseitig begabt und interessiert er war. Als Kind zeichnete und malte er viel, beschäftigte sich aber am liebsten mit einem Stabilbaukasten. Nach dem Abitur schrieb er sich an der Technischen Hochschule der Hauptstadt ein, studierte erst Maschinenbau, dann Architektur. Mit 25 Jahren erhielt er seine erste Stelle und merkte bald, wie mühsam und zeitaufwändig sein Arbeitsalltag sein konnte. Da begann er, über die Konstruktion einer Maschine nachzudenken und war von seiner Idee so überzeugt, dass er kündigte und anfing, sie zu entwickeln. Das geschah in der elterlichen Wohnung, Familie und Freunde halfen nicht nur beim Sägen von Blech- und anderen Teilen. Später führte er ein verbessertes Gerät in der Versuchsanstalt für Luftfahrt vor. Auch dort glaubte man an seinen Erfolg: In den ersten Kriegsjahren ging die Maschine in Betrieb, als erste ihrer Art weltweit. Vier Jahre nach Kriegsende gründete er eine Firma, die florierte, obwohl mittlerweile auch in zwei anderen Ländern etwas Ähnliches erfunden worden war. Später verkaufte er das Unternehmen und widmete sich nur noch dem Malen. 85-jährig ist er gestorben.

Ein Vater, der viel von seinen „Kindern“ lernte

10Die Ergebnisse, auf die dieser Forscher kam, möchte man fast mit den Worten „Es war einmal . . .“ einleiten. Denn vieles von dem, was er entdeckte, klang märchenhaft. Er war der Sohn eines angesehenen Arztes in einem Nachbarland. In dem großen Garten seiner Eltern verbrachte er als Kind viel Zeit, um die Tierwelt zu beobachten und machte bereits im Alter von fünf Jahren eine Entdeckung, auf die zum Teil auch seine späteren Forschungen aufbauten. Im Sinne seines Vaters absolvierte er zunächst das Studium der Medizin, wandte sich dann aber sehr schnell seiner eigentlichen Liebe, der Zoologie, zu. Vor dem Krieg arbeitete er an Universitäten in nicht nur einem Land, wurde dann aber als Wehrmachtsarzt eingezogen. 1944 geriet er in russische Gefangenschaft, aus der er erst vier Jahre später wieder entlassen wurde. Einige Zeit später erfüllte sich sein Traum, und er wurde zum Leiter eines Forschungsinstitutes. Obwohl er sich für den Umweltschutz engagierte, frönte er in seiner Freizeit einem besonderen Hobby: Er fuhr gern Motorrad. In einem Dorf seines Heimatlandes starb er 85-jährig an Nierenversagen.

DAS BIOGRAFISCHE WEIHNACHTSRÄTSEL

An einer guten Tradition des Tagesspiegels werden wir auch in diesem Jahr festhalten: am Weihnachtsrätsel, in dem zehn Persönlichkeiten anhand ihrer Biografie zu erraten sind. Diesmal haben wir ausschließlich Persönlichkeiten aus dem vorigen, also dem zwanzigsten, Jahrhundert ausgewählt. Vier Damen und sechs Herren sind zu erraten, die, wie unzählige andere, in dieser Zeit Außergewöhnliches geleistet haben. Da dieses Jahrhundert den meisten von uns noch sehr lebhaft vor Augen sein wird, könnte es sein, dass sich so manche Biografie auf Anhieb entschlüsseln lässt. Doch das sollten nur die „Appetithäppchen“ sein. Wir haben uns größte Mühe gegeben, damit das nicht durchgängig der Fall ist – möglicherweise dauert es also ein bisschen länger, den Gesuchten auf die Spur zu kommen.

Bitte schicken Sie Ihre Lösung als Postkarte an: Der Tagesspiegel, Redaktion Sonderthemen, Kennwort „Weihnachtsrätsel“, 10491 Berlin. Einsendeschluss (Poststempel) ist der 8. Januar 2004. Sie können Ihre Lösung auch via E-Mail an „weihnachtsraetsel@tagesspiegel.de“ schicken. Im Internet finden Sie das Rätsel unter „www.tagesspiegel.de/weihnachtsraetsel2003“. Die Namen all derer, die richtig geraten haben, werden veröffentlicht. Unter ihnen werden 30 Bücher verlost. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Raten.

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