Zeitung Heute : Gute Besserung

Was sich jetzt für die Ärzte verändert

Cordula Eubel

Ärzte sollen in Zukunft einem stärkeren Wettbewerb untereinander ausgesetzt sein. Wer sich ab 2004 neu als Facharzt niederlässt, muss mit den Krankenkassen Einzelverträge abschließen. Bisher gibt es vor allem Kollektivverträge: Die Kassenärztlichen Vereinigungen schließen für ihre Vertragsärzte Verträge mit AOK, Barmer und Co. ab. Gute Leistungen oder sparsames Wirtschaften lohnen sich für den einzelnen Arzt nicht, finden die rot-grünen Koalitionäre. Sie wollen die Kassenarzt-Monopole entmachten. Wer schon jetzt als Facharzt tätig ist, soll nicht zum Einzelvertrag verpflichtet werden. Freiwillig kann er jedoch am neuen System teilnehmen. Gleichzeitig muss sich damit aber auch die Honorarstruktur im Gesundheitswesen ändern. Derzeit müssen Kassenärzte ihre Leistungen über ein kompliziertes Punktesystem abrechnen. Erst am Ende eines Abrechnungszeitraums wissen sie, wie viel sie verdient haben – je nach Punktwert. Detaillierte Pläne für ein neues Abrechnungssystem liegen aber noch nicht vor.

Eine zentrale Rolle im Gesundheitswesen sollen nach den Vorstellungen von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) die Hausärzte einnehmen: Sie sollen die „Lotsen“ sein, bei denen alle Fäden zusammenlaufen. Das bedeutet aber auch mehr Verantwortung für jeden einzelnen Hausarzt. Schließlich muss er den Überblick über die Krankheitsakte des Patienten behalten – und ihn im Zweifelsfall zum Facharzt überweisen. Das heißt: Auch die Aus- und Weiterbildung für Hausärzte muss aufgewertet werden .

Grundsätzlich sollen Ärzte und Kassenärztliche Vereinigungen sich schärferen Kontrollen stellen müssen. Damit will Rot-Grün den Abrechnungsbetrug eindämmen, der durch falsche Abrechnungen oder den Missbrauch der Krankenkassen-Chipkarten entsteht. Außerdem sollen Mediziner regelmäßig zu Fortbildungen gehen. Viele Ärzte machen das ohnehin schon – Ulla Schmidt will das aber für die breite Masse sicherstellen.

Die Bundesregierung plant darüber hinaus, Gesundheitszentren nach dem Vorbild der ehemaligen DDR-Polikliniken einzurichten. Dort teilen sich Mediziner teure technische Geräte – und arbeiten als Angestellte. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass dies vor allem für junge Ärztinnen und Ärzte interessant sein könnte, weil sie sich so das Startkapital für eine eigene Praxis sparen.

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