Zeitung Heute : Gute Besserung

Der Gesetzentwurf ist mehr als 400 Seiten lang – ein Überblick über die wichtigsten Änderungen für die Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung

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Zahnersatz: Ab 2005 müssen die Versicherten alleine für den Zahnersatz aufkommen. Sie können sich bei ihrer gesetzlichen Kasse zu einer pauschalen Prämie versichern, die vom Einkommen unabhängig ist. Die wird voraussichtlich zwischen fünf und sieben Euro liegen. Kinder sind kostenlos versichert, ebenso Ehepartner, die kein eigenes Einkommen haben. Die Versicherten können den Zahnersatz auch in der privaten Krankenversicherung (PKV) absichern. Die PKV soll zu ihren Konditionen anbieten können: das heißt, sie kann die Tarife nach dem Risiko der Patienten gestalten und sich ihre Versicherten auswählen. Wer einmal die gesetzlichen Kassen verlässt, kann allerdings nicht mehr zurückkehren.

Und die privaten Anbieter werden deutlich teurer als ihre Konkurrenz von AOK, Barmer und Co. sein. „Die gesetzlichen Kassen können einfach günstiger einkaufen“, sagte Sabine Erbar vom Verband der privaten Krankenversicherung dem Tagesspiegel. Zudem seien die Honorarsätze für die Zahnärzte bei den privaten Anbietern höher und es müssten Altersrückstellungen gebildet werden. Nach Erbars Angaben werde der Beitrag für den Zahnersatz über 7,50 Euro liegen. Eine branchenübergreifende Lösung werde es nicht geben. Anders als bei der GKV sind bei den Privaten Kinder und Ehepartner nicht mitversichert. Für sie müssen jeweils einzelne ZahnersatzPolicen abgeschlossen werden.

Krankengeld: Das bisher von der siebten Krankheitswoche an zu zahlende Krankengeld sollen Arbeitnehmer allein versichern. Ab 2006 müssen die Versicherten einen Sonderbeitrag von 0,5 Beitragssatzpunkten zahlen – ein Jahr früher als geplant. Begründung: Die Lohnnebenkosten müssten schnell gesenkt werden.

Zuzahlungen: Beim ersten Arztbesuch im Quartal werden zehn Euro fällig, ebenso beim Facharztbesuch ohne Überweisung. Für Medikamente muss der Patient künftig zehn Prozent zuzahlen, mindestens fünf, maximal zehn Euro. Im Krankenhaus werden für maximal 28 Tage im Jahr zehn Euro pro Tag fällig. Die jährlichen Zuzahlungen bleiben begrenzt: Maximal zwei Prozent des Bruttoeinkommens soll der Versicherte zahlen. Wer chronisch krank ist, muss maximal ein Prozent aufbringen. Diese Regelungen gelten auch für Sozialhilfeempfänger und andere Härtefälle, die ursprünglich nur einen Euro pro Leistung zuzahlen sollten. Im Jahr sind das nach Angaben des Gesundheitsministeriums maximal rund 70 Euro.

Heilmittel/Häusliche Krankenpflege: In letzter Minute haben sich die Verhandler auf Nachbesserungen bei den Zuzahlungen geeinigt: So sollen die Versicherten etwa bei einer Physiotherapie einmalig zehn Euro zahlen, zusätzlich zehn Prozent für die gesamte Verordnung. Der Grund: Sonst hätten etwa das morgendliche und abendliche Anziehen von Kompressionsstrümpfen jeweils mit der Mindestzuzahlung von fünf Euro zu Buche geschlagen – etwa das Dreifache, was diese Leistung tatsächlich kostet.

Arzneimittel: Nicht verschreibungspflichtige Medikamente werden nicht mehr erstattet. Ausnahmen sind bei der Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen vorgesehen – nach einem Schlaganfall kann der Arzt weiter Aspirin verschreiben. Auch homöopathische und andere Naturmedizin soll es weiter auf Kassenkosten geben, wenn sie gegen schwere Erkrankungen helfen.

Apotheken: Wer sich den Weg zur Apotheke sparen will, kann Medikamente künftig auch über das Internet bestellen. Außerdem wird das so genannte Mehrbesitz-Verbot gelockert. Ein Apotheker darf drei Nebenstellen eröffnen, allerdings nur in der regionalen Umgebung.

Streichung: Die Kassen beteiligen sich nicht mehr an den meisten Taxifahrten zur ambulanten Behandlung. Gestrichen werden auch Sterbegeld, Sterilisation aus nichtmedizinischen Gründen und Entbindungsgeld. Sehhilfen erstattet die Kasse nur noch für Jugendliche und schwer Sehbehinderte. Künstliche Befruchtung wird nur noch eingeschränkt bezahlt. Versicherungsfremde Leistungen werden durch eine Erhöhung der Tabaksteuer finanziert. ce/lha

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