Zeitung Heute : Gute Genesung

Cordula Eubel

„Desease-Management“-Programme gibt es seit zweieinhalb Jahren. Wie erfolgreich waren sie bis jetzt – und wären sie eine Alternative zum gängigen Gesundheitssystem?

Für chronisch kranke Menschen bieten einige Krankenkassen, Ärzte und Kliniken seit zweieinhalb Jahren so genannte „Desease-Management-Programme“ (DMP) an. Etwa eine Millionen Versicherte haben sich bisher bundesweit eingeschrieben. Die Patienten leiden unter Diabetes, Brustkrebs oder einer Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung). Diesease-Management heißt übersetzt Krankheitsmanagement. Dahinter steckt die Idee, dass bestimmte Volkskrankheiten strukturiert behandelt werden können: Für Ärzte gibt es Vorgaben, wie Krankheiten jeweils am besten zu behandeln sind. Klinikärzte und der Facharzt in der Praxis arbeiten stärker Hand in Hand, sie müssen sich außerdem regelmäßig fortbilden. Der Patient wird zur stärkeren Mitarbeit motiviert.

Mit den DMP ist zum einen die Hoffnung verknüpft, dass im Gesundheitswesen Ausgaben gespart werden können. Etwa 20 Prozent der Versicherten verursachen 80 Prozent der Kosten – darunter sind viele Menschen mit chronischen Krankheiten. Zum anderen versprechen sich die Befürworter der strukturierten Programme eine bessere Qualität bei der Versorgung. Nach Ansicht von Experten werden Patienten in Deutschland bei Volkskrankheiten sehr unterschiedlich behandelt.

Vorreiter ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordhrein, die mit allen Krankenkassen im Rheinland Verträge abgeschlossen hat. Etwa 200000 Patienten nehmen am Diabetes-Programm teil, das im Juli 2003 begonnen wurde. Etwa 5600 Patientinnen sind beim Brustkrebs-Programm eingeschrieben, das bereits im März 2003 startete. Der KV-Vorsitzende Leonhard Hansen sieht erste kleine Erfolge: Bei den Diabetikern hätten sich die Blutzucker- und die Blutdruck-Werte verbessert. Außerdem hätten bereits drei Viertel aller Patienten an einer Diabetiker-Schulung teilgenommen. Auch beim Brustkrebs-Programm wären die selbst gesteckten Ziele übertroffen worden. Durch die Verträge seien bestimmte Standards garantiert. Konkret heißt das zum Beispiel: Wenn eine Frau mit Brustkrebs operiert wird, beginnt die psychosoziale Betreuung bereits im Krankenhaus. Außerdem nehmen nur Kliniken teil, die eine Mindestzahl an Operationen vorweisen können.

Ob die Programme langfristig etwas bringen, lässt sich allerdings erst in einigen Jahren absehen. Dann könne man abschätzen, ob beispielsweise bei Diabetes Amputationen verhindert oder zumindest hinausgezögert werden können, schreiben KV Nordrhein und AOK Rheinland in einer ersten Bilanz.

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