Zeitung Heute : Gute Geschichte

Carsten Brönstrup

Am Montag veröffentlicht das Time-Magazin einen Sonderbericht zum Thema „Was Deutschland richtig macht“. Wie kommt es, dass das deutsche Modell im Ausland offenbar wieder als vorbildlich wahrgenommen wird?

„Endlich“, so jubelt es vom Titelblatt, auf dem eine schwarz-rot-goldene Sonnenblume aus karger Steppe hervorsprießt. „Die Zeit ist reif für Optimismus. Was macht Deutschland richtig?“ Was wie eine PR-Kampagne des Bundespresseamtes für die Agenda 2010 anmutet, ist tatsächlich der Titel des US-Magazins „Time“. Das Ende der jahrelangen Krise Deutschlands sei in Sicht, lautet die Botschaft: Die Wirtschaft komme in Fahrt, das Land gewinne an außenpolitischem Gewicht und bei Theater, Musik, Film oder Architektur an internationalem Ruf.

Viel Lob für die Deutschen – doch von Aufbruchstimmung ist hier zu Lande wenig zu spüren. Lästige Reformen, hohe Arbeitslosigkeit und mangelndes Vertrauen in die Eliten drücken die Stimmung. Folge: Die Verbraucher sparen immer mehr und geben immer weniger aus.

Im Ausland ist man offensichtlich optimistischer. Schon deshalb, weil Amerikaner, Russen und Chinesen immer noch großes Vertrauen in Produkte „made in Germany“ haben. Und ein Land, das erstklassige Druckmaschinen, elegante Sportwagen, präzise Medizingeräte oder beliebte Schmerzmittel herstellt und so Exportweltmeister wird, wähnt das Ausland nicht auf dem absteigenden Ast. Schließlich stehen die Deutschen in diesen Branchen seit Jahrzehnten an der Weltspitze. Hinzu kommen die Reformen der Bundesregierung. Namhafte Wissenschaftler bekennen, begeisterte Anhänger der Schröderschen Politik zu sein. Weil sie glauben, dass eine Senkung der Sozialversicherungskosten und ein Umbau des Arbeitsmarktes zu mehr Jobs und Wachstum führen. Denn sie wissen, dass solche Maßnahmen bereits vor Jahren in vielen anderen Ländern zum Erfolg geführt haben – etwa in Großbritannien. Die Deutschen warten indes noch auf das Erfolgserlebnis. Und weil sie ohnehin missgestimmt sind, finden schlechte Prognosen mehr Beachtung als gute: darüber, dass die Last der Demografie uns eines Tages erdrückt, die Universitäten nicht mehr mithalten können oder Ostdeutschland erst 2020 mit dem Westen gleichziehen wird. Wie verlässlich solche Vorhersagen sind, haben die jüngsten Wirtschaftsprognosen gezeigt: Noch am Jahresanfang hatten sie ein Anhalten der Stagnation verheißen, nun reden die Fachleute plötzlich vom Aufschwung.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben