Zeitung Heute : Gute Lehre an der Universität – auch für Auszubildende

Mein Zimmer quillt über vor Pflanzen, und zu Hause im Garten war ich beim Umpflanzen immer der Erste am Spaten. Deshalb kann ich mir keine bessere Ausbildung vorstellen als die zum Gärtner. Wir sind zwei Azubis in den Gewächshäusern in Dahlem und müssen vorwiegend gießen, aussähen, pikieren und die Pflanzen von Schädlingen, wie Wollläusen, befreien. Bei rund 6000 Pflanzen und 250 Arten ist immer reichlich zu tun. Die Studenten nutzen die Gewächse dann für Versuchszwecke. Ich muss aber auch viel lernen: Wir müssen beispielsweise die deutschen und die lateinischen Namen der Pflanzen für die Prüfungen kennen. Nach meiner Ausbildung möchte ich das Abitur nachholen und Biologie studieren oder meinen Meister machen, um mich zu spezialisieren. Mein Ziel ist, eine eigene Gärtnerei zu eröffnen.

Florian Rakete, 21, erlernt in der Lehr- und Forschungsstation der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät den Beruf des Gärtners im Zierpflanzenbau.

Ich habe einige Semester Pharmazie studiert, dann aber abgebrochen, um die Reagenzgläser gegen Bücher zu tauschen. Als die Zusage der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität kam, musste ich nicht lange überlegen. Die Arbeit ist spannend. Wir sind fünf Auszubildende in jedem Lehrjahr und wechseln zwischen den vielen Zweigbibliotheken. Zurzeit leihe ich an der Infotheke Bücher an die Studenten aus und nehme neue Bestände auf. Das ist bei der Sprachenvielfalt gar nicht so einfach, Kyrillisch kann ich beispielsweise nicht lesen. Am meisten Spaß macht mir die Arbeit mit den historischen Beständen. Die alten Seiten und Ledereinbände aus dem 18. Jahrhundert behandle ich fast ehrfürchtig. Ich hoffe, dass ich auch nach der Ausbildung an der HU weiterarbeiten kann.

Heike Ottlinger, 26, wird an der Unibibliothek zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste ausgebildet.

Mein Bruder riet mir, mich an der Humboldt-Uni zu bewerben. Für den Tipp mit der Lehrwerkstatt bin ich ihm heute sehr dankbar. Wir sind 13 Auszubildende in allen drei Lehrjahren und durchlaufen neben der Theorie in der Schule viele Werkstätten, in denen wir von unseren Ausbildungsleitern eingesetzt werden. Wir setzen praktisch um, was die Wissenschaftler für ihre Versuche an Technik benötigen. Momentan bastle ich an einem Sechs-Zylinder-Motor in der neuen Werkstatt in Adlershof. Für das Virchow-Klinikum am Westhafen musste ich beispielsweise Narkose-Boxen für Ratten herstellen. Nach der Lehre möchte ich gerne eine Zeit lang in Großbritannien arbeiten und anschließend vielleicht mein Fachabitur nachholen.

Norman Genschow, 18, lässt sich in der Lehrwerkstatt der Technischen Abteilung in Adlershof zum Industriemechaniker im Feingerätebau ausbilden.

Ich habe 150 Bewerbungen verschickt, bis es endlich mit einem Ausbildungsplatz geklappt hat. Die Arbeit an der HU ist besonders abwechslungsreich, da ich Einblicke in viele verschiedene Abteilungen bekomme. So war ich in der Personal- und Beschaffungsstelle, wo ich Ausschreibungen ausgewertet und Einstellungstests beaufsichtigt habe. In der Abteilung Internationales fand ich es besonders spannend, weil ich dort viel mit Studierenden aus aller Welt zu tun hatte und ihnen bei der Einschreibung und beim Finden eines Wohnheimplatzes behilflich war – und dabei auch verschiedene Sprachen anwenden konnte. Meine Ausbildung kann ich dank guter Noten um sechs Monate verkürzen und arbeite jetzt für die Technische Abteilung im Grundstückswesen. Ich habe großes Glück: Weil in der Abteilung ein Babyboom herrscht, werde ich dort nach der Ausbildung unbefristet angestellt.

Christina Demir, 25, wird Fachangestellte für Bürokommunikation.

Protokolle: Constanze Haase; Fotos: Heike Zappe

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