Zeitung Heute : Guter Rat für Megacities

Nobelpreisträgerin Ostrom unterstützt HU-Projekt

Susanne Cholodnicki Constanze Haase
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Foto: promo/Ric Cradick

„Ob sich mein Alltag verändert hat?“ Elinor Ostrom lacht auf. „Nun, wie sich ein Tagesablauf eben ändert, wenn man täglich mehrere hundert Glückwunsch-E-Mails bekommt, lesen und beantworten soll. Allein am ersten Tag waren es 800“, sagt die Umweltökonomin Ostrom. Im November wurde die US-Wissenschaftlerin als erste Frau überhaupt mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet, gemeinsam mit ihrem Landsmann Oliver Williamson.

2007 erhielt Elinor Ostrom, die seit den 60er Jahren in den USA an der Indiana University lehrt, die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität. Es bestehe eine lange, freundschaftliche Kooperation zum Fachgebiet Ressourcenökonomie, sagt die 77-jährige Politikwissenschaftlerin. Erst kürzlich war Ostrom zur Sitzung des wissenschaftlichen Beirats des Megacity-Projektes Hyderabad an der HU zu Gast, in dem globale Herausforderungen in den größten Metropolen erforscht werden. Ostroms Forschungsthema, für das sie den Nobelpreis erhielt, ist für das Projekt von zentraler Bedeutung: Sie arbeitete Nutzerprinzipien für eine nachhaltige Bewirtschaftung so genannter Allmendegüter heraus.

Dabei geht es um Güter, bei denen eine Rivalität zwischen den Nutzern besteht, aber niemand wirklich von der Nutzung ausgeschlossen werden kann. In ihrem Buch „Die Verfassung der Allmende“, das 1990 erschien, beschreibt Ostrom die von ihr in Feldforschungen entdeckten Beispiele für Gemeinschaften, die sich jenseits von Staat und Markt selbst organisieren. Türkische Fischer etwa, die mit Hilfe einer Lotterie die Seegebiete aufteilen und Schweizer Bauern, die die Weiden kollektiv bewirtschaften, ohne dass es zur Ausbeutung der Ressourcen und somit zur Selbstschädigung kommt. Ihr Ansatz lässt sich auch auf globale Probleme wie den Klimawandel übertragen.

Auch mit dem Nobelpreis denkt Ostrom nicht ans Aufhören. „Ich bin Akademikerin mit Leib und Seele.“ Deswegen hielt sie auch am Tag nach der Nachricht von der Nobel-Auszeichnung wieder eine Vorlesung. „Es war allerdings etwas hektischer als üblich.“ Das Preisgeld ging an die Foundation der Indiana University. Nachwuchsarbeit ist ihr momentan wichtiger denn je: „Ich war zwar die erste, werde aber nicht die letzte Nobelpreisträgerin auf dem Gebiet bleiben“, sagt Ostrom und schlägt dabei demonstrativ mit der Faust auf den Tisch. Susanne Cholodnicki/Constanze Haase

Am 3. Mai erscheint Ostroms neues Buch „Working Together, Collective Action. The Commons and Multiple Methods in Practice“.

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