Zeitung Heute : Guter Rat ist für viele bares Geld wert

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Von Melanie Hinter

Bei der Vielzahl steuerlicher Fachbegriffe verliert man als Laie leicht den Überblick. Wer seine Steuererklärung daher nicht alleine ausfüllen möchte, kann die Hilfe von Fachleuten in Anspruch nehmen. Dazu gehören neben Steuerberatern auch die bundesweit über 800 Lohnsteuerhilfevereine. Während Steuerberater generell jeden Bürger in steuerlichen Angelegenheiten beraten dürfen, sind die Lohnsteuerhilfevereine in ihrer Beratungsleistung auf Arbeitnehmer und Rentner beschränkt.

Die Vereine können bei Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen weiterhelfen. „Außerdem kann man beim Kindergeld, der ’Riesterrente’ und der Förderung selbstgenutzen Wohneigentums unseren Rat einholen“, sagt Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine e.V. (NVL). Die Nebeneinkünfte aus Vermietung oder Kapitalerträgen dürfen insgesamt im Jahr 18 000 Mark (9000 Euro ab 2002) und bei Ehegatten 36 000 Mark (18 000 Euro) nicht übersteigen. Liegen die Einkünfte über diesen Grenzen, dürfen die Vereine nicht mehr beraten, ebenso bei umsatzsteuerpflichtigen Einkünften und Gewinneinkünften. „So soll der Kreis derjenigen, die sich von Lohnsteuerhilfevereinen beraten lassen können, auf typische Arbeitnehmer beschränkt werden“, sagt Marlies Spargen. In solchen Fällen muss man einen Steuerberater aufsuchen.

In den 60er Jahren entstand durch das zunehmend komplexere Steuerrecht ein Bedarf an preiswerter steuerlicher Beratung für Arbeitnehmer. 1964 wurde daraufhin der erste Lohnsteuerhilfeverein gegründet. Später brachte der Gesetzgeber die Rechtsgrundlagen der Vereine in das Steuerberatungsgesetz ein.

Kosten variieren

Um die Beratung eines Lohnsteuerhilfevereins in Anspruch nehmen zu können, muss man zuerst Mitglied werden. Das können alle Arbeitnehmer und Rentner. Die Beiträge sind nach dem Einkommen gestaffelt und betragen zwischen 40 und etwa 230 Euro im Jahr, dazu kommt noch eine einmalige Aufnahmegebühr von etwa 15 Euro. Dafür können die Mitglieder alle Beratungsleistungen der Vereine in Anspruch nehmen. „Falls sie Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen wollen, beraten wir natürlich nochmal, das ist alles mit dem Mitgliedsbeitrag abgedeckt“, sagt Marlies Spargen.

Darin liegt ein ganz entscheidender Unterschied zu den Leistungen eines Steuerberaters, hier kostet jede Beratung Geld. Zwar sind auch hier die Gebühren von dem zu versteuerten Einkommen abhängig. „Je mehr jemand zu versteuern hat, je mehr muss er auch zahlen“, sagt der Steuerberater Wolfgang Wawro. Der Aufwand, den eine Beratung verursacht, geht jedoch auch in die Kosten ein. „Wenn hier jemand mit einem Schuhkarton voller Belege ankommt, zahlt er natürlich mehr als jemand, der schon alles ordentlich vorsortiert hat“, sagt Wawro.

Bevor man die Dienste eines Steuerberaters in Anspruch nimmt, sollte man sich auf jeden Fall erkundigen, welche individuellen Kosten die Beratung verursacht. Doch egal ob Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater, sinnvoll ist eine qualifizierte Beratung auf jeden Fall. „Die Bürger verschenken jährlich viel Geld, weil sie vor einer Beratung zurückscheuen“, sagt Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler.

Die Beratung in den Vereinen wird von den Leitern der Beratungsstellen durchgeführt. Sie müssen über eine fachliche Qualifikation – wie eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung in Steuerangelegenheiten – verfügen und werden von der örtlichen Oberfinanzdirektion zugelassen. Die Lohnsteuerhilfevereine sind staatlich anerkannt.

Im Falle einer fehlerhaften Beratung geht der Bürger weder beim Steuerberater noch beim Lohnsteuerhilfeverein ein Risiko ein. Beide sind durch eine Vermögenshaftpflichtversicherung abgesichert. Voraussetzung ist jedoch, dass der Bürger die richtigen Angaben zu seinen Einkünften und Vermögensverhältnissen gemacht hat. „Verschweigt uns jemand zum Beispiel ein Konto in Luxemburg, sind wir als Berater nicht haftbar. Das muß der Steuerpflichtige dann schon alleine ausbaden“, sagt Wawro.

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