GYPSY-POPGogol Bordello : Weltenbummler

Eigentlich war nicht mehr viel zu verbessern: Auf dem letzten Album „Super Taranta!“ wurden Gogol Bordello ihrem Ruf als eine der besten Kapellen der multinationalen Gypsy-Pop-Szene vollauf gerecht. Der furiose Stilmix aus Balkan-Folk, Karpaten- Blues, Globalista-Rock und Disko-Punk entwickelt suggestiven Sog und kann drei Jahre nach Erscheinen immer noch zur Beschallung jeder Party eingesetzt werden, deren Veranstalter Freude am kollektiven Kontrollverlust der Gäste hat.

Aber warum nicht noch eine Schippe drauflegen, mögen sich Eugene Hütz und seine wilde Meute gedacht haben und fragten bei einem der Superstars des Mischpults an: Rick Rubin, der ja nicht nur als Wiederbelebungsspezialist für Poplegenden wie Johnny Cash und Neil Diamond Meriten erworben hat, sondern auch Metallica zu Höchstleistungen anspornt, erweist sich als glückliche Produzentenwahl: „Trans-Continental Hustle“ ist trotz unveränderter Zutaten ein noch stärkeres Gebräu geworden. Die ukrainischen Wurzeln von Weltenbummler Hütz, den es von seiner Wahlheimat New York inzwischen nach Brasilien verschlagen hat, machen sich bemerkbar, wenn er in „Break the Spell“ seine Kinderjahre als Angehöriger der schikanierten Roma-Minderheit in Osteuropa reflektiert, von wo er 1986 mit seiner Familie vor den Folgen der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe floh: „Just because I come from Roma Camp on the hill / They put me in a school for mentally ill“. Dennoch gilt: Bei aller Intensität sind auch die neuen Studioaufnahmen nur ein zahmes Surrogat für die elementare Wucht der Liveauftritte von Gogol Bordello. Da fliegen dann wirklich die Löcher aus dem Käse und die Gläser an die Wand.Jörg Wunder

Astra Kulturhaus, Do 3.6., 21 Uhr, 21 €

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