Zeitung Heute : Ha-ha fürs Herz

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Neues aus der Schmunzelforschung

Hartmut Wewetzer

Man muss sich Lachforscher als glückliche Menschen vorstellen. So wie Michael Miller von der Universität von Maryland in Baltimore. Der schlanke, gut aussehende Herzspezialist hat nämlich vor kurzem mit einer vergleichsweise wenig aufwendigen Studie weltweites Aufsehen erregt und damit auch selbst Grund zur guten Laune. Vor allem in den angelsächsischen Ländern, in denen die Humortherapie ohnehin am weitesten fortgeschritten ist, ließ es sich kaum eine angesehene Zeitung nehmen, ausführlich über Millers Menschenversuch zu berichten. Das Ergebnis in Kürze: Lachen ist gut fürs Herz, zumindest gibt es dafür Hinweise.

Miller testete 20 gesunde Versuchspersonen, indem er ihnen entweder einen Kriegsfilm („Der Soldat James Ryan“) oder Komödien zeigte. Danach wurde die Oberarmschlagader mit einer Manschette abgepresst, schlagartig geöffnet und mit Hilfe von Ultraschall die anschwellende Durchblutung des Gefäßes gemessen. Es zeigte sich, dass der Blutfluss in der Lachgruppe um 22 Prozent zunahm, während er in der in der Kriegsfilm-Gruppe um 35 Prozent zurückging. Mentaler Stress verschlechtert also die Durchblutung, was zu erwarten war. Aber dass sich Lachen auf der anderen Seite so günstig auswirkt, hat selbst Miller überrascht.

„Die Größe der Veränderung an dem Blutgefäß ist ähnlich der beim Aerobic – aber ohne Schmerzen und Muskelanspannung“, sagt Miller. „Wir empfehlen unseren Patienten nicht, auf den Sport zu verzichten, aber wir raten zu regelmäßigem Lachen. 30 Minuten Bewegung drei Mal die Woche und eine Viertelstunde Lachen am Tag sind vermutlich gut fürs Gefäßsystem.“

„Mit Studien zum Lachen kommt man schnell in die Medien, aber oft halten sie nicht, was sie versprechen“, sagt dagegen der Psychologe Willibald Ruch von der Universität Zürich. So hat sich bislang nicht bestätigen lassen, dass Lachen Endorphine – körpereigene Opiate – im Gehirn freisetzt. Ebenso umstritten ist eine Senkung des Blutdrucks. Auch eine oft behauptete Stärkung des Immunsystems ist so nicht nachgewiesen. Wohl aber gibt es Hinweise dafür, dass gute Laune kleinere Tiefs der Körperabwehr auszugleichen hilft.

Handfester sind die Effekte des Humors auf den Schmerz. Lachen infolge eines lustigen Films macht Schmerzen erträglicher – den gleichen Effekt haben jedoch auch traurige Filme. Und noch etwas hat Ruch beobachtet: Sinn für Humor schirmt Stress besser ab. Wirklich überrascht war der ansonsten eher skeptische Lachforscher allerdings über etwas anderes. Gemeinsam mit dem Lungenspezialisten Martin Brutsche vom Basler Kantonsspital untersuchte er, ob sich die Darbietung eines Komikers auf das Atemorgan Lungenkranker auswirkte. Und konnte feststellen, dass die sich bei etlichen deutlich gebessert hatte.

Ein guter Witz lässt uns also aufatmen. Kennen Sie den schon? Treffen sich zwei Kannibalen. Sagt der eine: „Ich habe gestern einen Clown gefrühstückt.“ „Und?“ „Schmeckt komisch.“

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