Zeitung Heute : Haarausfall

Der Tagesspiegel

Jeder Mensch hat zwischen 100 000 und 150 000 Haare auf dem Kopf. Die Zahl hängt unter anderem von der Haarfarbe ab. So haben rothaarige Menschen weniger Haare als blonde. Pro Quadratzentimeter sind bis zu 200 Haare möglich. Sie wachsen täglich etwa 0,35 Millimeter – im Monat also rund einen Zentimeter. Haare wachsen aber nicht endlos lange. Die „Uhr“ eines Haares ist auf drei bis acht Jahre eingestellt. Dann ist die Wachstumsphase vorbei, das Haar geht zwei bis vier Monate in eine Ruhephase über und löst sich schließlich aus der Wurzel. Dutzende Haare können so an einem Tag ausfallen. Die Wurzeln bleiben dabei bestehen, aus ihnen kann also wieder ein Haar wachsen. Nur die Wurzel ist biologisch aktiv, das Haar selbst besteht aus dem toten, hornartigen Material Keratin. Die Funktion des Haars besteht darin, den Kopf vor Sonnenstrahlen zu schützen.

Wann spricht man von Haarausfall?

Fallen langfristig über 100 Einzelhaare täglich aus, spricht man von Haarausfall im medizinischen Sinne (Alopezie). Nahezu jeder dritte Mann und ungefähr jede zehnte Frau sind davon betroffen.

Woran liegt es?

In den meisten Fällen ist Haarausfall erblich bedingt. Die Gene bestimmen, wie sensibel unsere Kopfhaut auf das männliche Sexualhorman Testosteron reagiert. Ist man dafür sehr empfindlich, zerstört das Hormon im Laufe des Lebens immer mehr Haarfollikel. Um ein hartnäckiges Vorurteil auszuräumen: Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Potenz und Haarausfall. Entscheidend für den Haarausfall ist nämlich nicht die Menge an Testosteron, sondern die Empfindlichkeit gegenüber dem Hormon. Doch nicht nur die Gene, sondern auch bestimmte Medikamente können zum Haarausfall führen. So hemmen Krebsmittel, die das Zellwachstum bremsen, auch das Wachstum neuer Haare. Ein besonderer Fall ist der kreisrunde Haarausfall. Hier liegt eine Autoimmunkrankheit vor: Das Abwehrsystem greift irrtümlicherweise die eigenen Haare an – sie fallen aus. Schließlich können auch Umweltgifte (Blei, Quecksilber) die Haarfollikel zerstören.

Was kann man tun?

Man sollte einen Arzt aufsuchen, um festzustellen, was die genaue Ursache ist. In den meisten Fällen ist der Haarausfall erblich bedingt und lässt sich nicht ganz so leicht behandeln. Haarwässerchen bewirken in der Regel nichts. Es gibt aber Medikamente, die einen positiven Effekt zeigen, etwa, indem sie die Wirkung des Sexualhormons Testosteron auf die Haarwurzeln blockieren und so den Haarausfall stoppen. Die Medikamente packen das Übel aber nicht an der Wurzel: Setzt man sie ab, fällt das Haar wieder aus. Es gibt mittlerweile auch Haartransplantationen. Die allerdings sind kostspielig: etwa 2500 Euro und aufwärts. bas

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