Zeitung Heute : Haare schneiden

Andreas Austilat

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

Meine Tochter ist zu einem Jungs-Geburtstag eingeladen. Und was wünscht sich ein Neunjähriger? „Ein Haarband, damit er nicht mehr das von seinem Bruder benutzen muss.“ Ein Haarband? Das ist neu. Bis vor kurzem dominierte in dieser Altersgruppe die immergleiche Frisur: Rundum kurz und vorn ein paar steil nach oben gegelte Strähnen. Vorbei, es scheint, die kleinen Köpfe sind bereit für den Weschsel.

Da hat unsereins allen Grund, die WM zu fürchten. Kinder sind ja so leicht zu beeinflussen. David Beckham zum Beispiel, der galt lange als Stilikone mit Hang zum eigenartigen Haarschnitt. Was dabei rauskommt, konnte man 2002 beobachten, als sich Christian Ziege den gleichen Irokesen schneiden ließ, damit aber nicht aussah wie Beckham, sondern immer noch wie Ziege.

Diesmal gibt es zwei deutsche Spieler, deren Frisuren irgendwie auffallen. Der eine ist Bastian „Schweini“ Schweinsteiger, den der britische „Evening Standard“ Mr. Toilet Brush nennt – Herr Klobürste. Unwahrscheinlich, dass Schweinsteiger Trend wird. Auf seinem gerupften Schopf lässt sich kein Haarband integrieren.

Der andere ist Thorsten Frings. Frings trägt die Haare so lang, dass er ohne Band gar nicht spielen kann. Ständig streicht er mit schwitzigen Händen die Matte nach hinten, bis sie ganz strähnig ist. Das hat er bestimmt von den Italienern abgeguckt. Aber jeder wird irgendwann fragen, wer ist eigentlich der Kerl, der sich dauernd durch die Haare streicht? Und weil nur auffällige Leute Trends setzen, hat Frings durchaus gewisse Chancen, egal wie er spielt. An Valderrama, den Kapitän der Kolumbianer von 1998, erinnert man sich ja auch nur noch, weil er aussah wie ein Wischmob unter Strom.

Will ich das? Will ich, dass mein Sohn in Zukunft auf dem Platz ständig mit einem Band im schweißnassen Haar rumfummelt, während das Spiel womöglich an ihm vorbeiläuft? Ach je, was werden die nächsten Wochen noch alles bringen.

Fußballerfrisuren zeigt www.hairweb.de, nur auf Englisch auch das Buch Footballers’ Haircuts, Weidenfeld & Nicholson, London.

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