Zeitung Heute : Hacker-Wettbewerb: Wer wird Millionär?

Bernd Hops

Um Millionär zu werden, muss man nicht mehr länger im Fernsehen auftreten und den berühmtesten französischen Dichter des 16. Jahrhunderts wissen. Nein, jetzt reicht es, sich perfekt mit Computern auszukennen - und Erfahrung als Hacker zu haben. Denn viele Software-Unternehmen sind daran interessiert, ihre Produkte sicherer zu machen. Hacker wurden schon öfter - meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit - dazu eingeladen, Netzwerke und Programme auf ihre Einbruchssicherheit zu untersuchen. Jetzt kommen Wettbewerbe in Mode. Der bisherige Höhepunkt wird im Sommer in Kanada stattfinden. Saafnet, eine junge kanadische Internet-Firma, will dort publikumswirksam zeigen, dass ihr Produkt "Alpha Shield" sicher ist. Eine Million Dollar warten auf denjenigen, der es schafft, in das Gerät über das Internet einzudringen. Dies kündigte Firmenchef Vikash Sami jetzt über die kanadischen Medien an.

"Alpha Shield" ist vor allem für Internet-Nutzer konzipiert, die über DSL oder Kabelmodems das Netz nutzen und daher immer online sein können. So hätten Außenstehende genug Zeit, sich in den Rechner einzuloggen und Unheil anzurichten. "Alpha Shield" trennt dagegen den Computer vom Netz, sobald keine Daten mehr geschickt oder empfangen werden. Verbindungen zum Internet dauern so meist nur noch wenige Sekunden. Und Saafnet ist überzeugt, dass dies für Hacker zu kurz ist. Der Wettbewerb soll das nun überprüfen.

In den vergangenen Monaten fanden international einige ähnliche Wettbewerbe statt. Allerdings erreichte die Preissumme nie die Millionengrenze. Im vergangen September lud die Secure Digital Music Initative (SDMI), ein amerikanischer Branchenverband, Hacker ein, den Kopierschutz von digitalen Musikdateien zu knacken. Und erst vor kurzem verlor die amerikanische Firma Argus, Hersteller von Sicherheitssoftware, bei einem ähnlichen Wettbewerb 35 000 Pfund (über 110 000 Mark). Bereits drei Mal hatte Argus einen solchen Wettkampf unbeschadet überstanden. Doch diesmal knackte ein polnisches Team das Programm. Trotzdem gaben sich die Verantwortlichen des Unternehmens zufrieden mit dem Ausgang des Wettbewerbs. Schließlich hätten sie dadurch ihr Produkt verbessert und auf die großen Gefahren, die aus dem Internet kommen können, aufmerksam gemacht.

Deutsche Firmen sind da zurückhaltender, wenn es um den Einsatz von Hackern geht. "Wir machen bei solchen Wettbewerben nicht mit", sagt Albert Hold, Pressesprecher des Netzwerkanbieters T-Systems. "Allerdings haben wir eine Truppe, die intern hackt." Bei Intershop, dem Hersteller von E-Business-Software, ist man bei Kontakten mit der Hacker-Szene offener. "Ich komme selber aus dem Bereich", sagt Christian Kahlo, Leiter der Sicherheitsabteilung bei Intershop. Vor zwei Jahren habe sein Unternehmen zum Beispiel bei einem Hacker-Camp in Berlin eine Plattform zum Einbruch freigegeben. "Da ging es aber nicht um ein Preisgeld, sondern eher um Ehrgeiz", sagt Kahlo. Ansonsten stehe Intershop ohnehin in regem Austausch, unter anderem mit dem Chaos Computer Club. "Es muss deutlich unterschieden werden zwischen Hackern und Crackern." Hacker seien an den Programmen und deren Weiterentwicklung interessiert - nicht an kriminellen Machenschaften. Die Szene werde von Intershop durch das Sponsoring von Kongressen auch aktiv gefördert. Denn schon oft hätten Hacker auf Sicherheitslücken in Programmen aufmerksam gemacht, die von mancher Firma vorher als Durchbruch gefeiert wurden.

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