Zeitung Heute : Häftling griff zur Schere

Der Tagesspiegel

Die vielen therapeutischen Versuche konnten es nicht verhindern: Nach 18 Jahren im Gefängnis griff Rolf H. zur Schere. Der 51-Jährige stach eine Psychologin nieder, die sich seiner Meinung nach nicht genug um seine vorzeitige Haftentlassung gekümmert hatte. „Es war eine Verzweiflungstat“, sagte H. gestern vor dem Landgericht.

Die Richterin zog eine etwa 25 Zentimeter große Schere hervor. „Ja, damit habe ich sie angegriffen, ich wollte, dass sie nicht mehr dort arbeitet“, gestand der Angeklagte. Rolf H. ist ein Mann mit schütterem, grauem Haar. Als 31-Jähriger erstach er seine Freundin, weil sie ihn verlassen wollte. Er wurde dafür 1982 zu lebenslanger Haft verurteilt.

„Eigentlich bin ich ein Mensch, der nicht gern andere verletzt“, erklärte er nun im Prozess um gefährliche Körperverletzung. Seit 1998 versucht er, auf Bewährung aus der Haft entlassen zu werden. Der Weg sollte über die sozialtherapeutische Abteilung der JVA Tegel führen. „Doch mein Therapeut erkrankte, und man vergaß mich“, beklagte sich H. Er habe sich an Brigitte E. gewandt, die damals die Abteilung leitete. „Aber sie war in keiner Weise gewillt, an meiner Situation etwa zu ändern.“ Als er Brigitte E. am 25. September 2000 „zufällig“ auf dem Flur sah, habe er zur Schere gegriffen. „Töten wollte ich sie aber nicht“, sagte H. in gleichgültigem Ton. Er stach auf Brigitte E.s Nacken, Gesicht und Hinterkopf ein, bis ihn Mithäftlinge überwältigten. Sie E. bestätigte, dass die therapeutische Situation für H. schwierig gewesen sei. Er sei oft „giftig“ gewesen. „Aber dass er so immense Hassgefühle hat, habe ich nicht bemerkt.“ Jetzt droht H. Sicherheitsverwahrung. K.Gehrke

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben