Zeitung Heute : Hämmern im All

Roland Knauer

Schon wieder überprüfen die Astronauten einen möglichen Defekt an der Discovery. Die Russen planen parallel eine Ausweitung des Alltourismus. Was unterscheidet die russische von der amerikanischen Raumfahrt und wäre es nicht sinnvoller, die Technik anzugleichen?

Bei der Discovery-Mission scheint nach jeder Panne eine neue zu warten. Erst platzten Teile der Tankisolierung beim Start ab, herausgedrückter Fugendichter wurde dann bei einem aufwändigen Weltraumspaziergang entfernt, dabei fotografierte die Besatzung schon die nächste Panne: Direkt unter dem Fenster der Kommandantin ist die Isolierung der Raumfähre aufgerissen. Ob dieses relativ weiche Material sich bei der Landung lösen und die Raumfähre beschädigen könnte, prüft die US-Weltraumorganisation Nasa nun. Notfalls müsste Astronaut Steve Robinson halt noch einmal seine Künste als Weltraumklempner unter Beweis stellen und den Schaden von außen flicken. Ein neuer gefährlicher Gang ins All könnte am Sonnabend stattfinden. Am Montag soll die Raumfähre wieder auf der Erde landen.

Die Pannen seien zumindest nicht den Astronauten anzulasten, sagte Friedhelm Claasen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn: Pingelig genau wie nie zuvor hat die Nasa die Raumfähre unter die Lupe genommen. Auch während des Fluges beobachten überall installierte Kameras jedes Detail und entdecken auf diesem Wege auch Kleinigkeiten, die bei früheren Missionen nie beachtet wurden. So stand bereits 1995 bei der Raumfähre Columbia Fugendichter ähnlich weit wie bei der Discovery vor. Die Hitze beim Landeanflug schmolz das Teil vermutlich einfach weg, größere Schäden traten nicht auf und die Columbia landete sicher. Diesmal aber ging die Nasa auf Nummer sicher und Steve Robinson zupfte den Fugendichter weg. Ergebnis: Noch nie war eine Raumfähre im Weltraum so gut in Schuss wie die Discovery in diesen Tagen – sagt die Nasa.

Noch zuverlässiger aber ist die Weltraumtechnologie der Russen, weil sie erheblich einfacher als die Hightech-Produkte der Amerikaner ist. Auch einen relativ einfach gebauten Trabi aus DDR-Produktion konnten viele Besitzer ja noch selbst reparieren. Stimmt dagegen in der modernen Auto-Elektronik etwas nicht mit einem Teil, ist oft sogar die Fachwerkstatt ratlos. Die russischen Kosmonauten konnten daher in der Raumstation Mir munter drauf loshämmern und behoben so einige Probleme, während die US-Astronauten bei einer Panne meist nur hoffen können, das passende Ersatzteil dabeizuhaben.

Andererseits hat auch die amerikanische Hightech Vorteile, so kann die amerikanische Raumfähre 15 Tonnen Nutzlast und sieben Astronauten gleichzeitig zur Erde zurückbringen, während die Sojus- Kapsel nur Platz für drei Kosmonauten mit Handgepäck bietet. Längst arbeiten Russen und Amerikaner daher im Weltraum zum Beispiel bei der internationalen Raumstation ISS zusammen. Nur bei den Trägerraketen pochen alle Beteiligten auf Eigenständigkeit, weil man mit ihnen viel Geld verdienen kann. Was die Nasa aber nicht daran hindert, russische Raketen anzufordern, wenn die eigene Raumfähre einmal ausfällt.

Das könnte in Zukunft jedoch etwas schwieriger werden, weil die USA per Gesetz den Kauf von Technologie-Produkten aus Staaten – wie Russland – verbietet, die Iran mit Atomtechnologie unterstützen. Angeblich aber soll das US-Außenministerium bereits an einer Ausnahmeregelung für Raketen basteln.

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