Zeitung Heute : Händler suchen nach Halt

Nach der Schließung des Bahnhofes Zoo für den Fernverkehr: starke Umsatzrückgänge bei den Gewerbetreibenden im Bahnhof

Maximilian von Demandowsky

Am Ende haben alle Proteste nichts genützt. Weder die Demonstrationen, Bürgerinitiativen und Unterschriftensammlungen, noch die Menschenketten und Trauerkränze. Die Bahn blieb hart: Mit der Umsetzung des Pilzkonzepts und den neuen Fernbahnhöfen Hauptbahnhof, Südkreuz, Gesundbrunnen und Spandau wurde die Schließung des Bahnhofs Zoo für den Fernverkehr besiegelt. Seit dem Fahrplanwechsel vom 28. Mai 2006 halten keine IC- und ICE-Züge mehr am Fernbahnsteig des Zoologischen Gartens. Die Folge: Die Zahl der Fahrgäste ging von täglich 150 000 auf 100 000 zurück. Händler und Gewerbetreibende rund um den Bahnhof verzeichnen seitdem sinkende Verkaufszahlen und Umsatzrückgänge. Es fehlt die Laufkundschaft. Und: Viele Touristen steigen nicht mehr am Zoo, sondern am Hauptbahnhof aus. Die Ladeninhaber und die Gewerbetreibenden in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Zoo klagen über Umsatzrückgänge von bis zu 70 Prozent. Sie fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Aber auch die Einkaufsläden und Dienstleister in der näheren Umgebung sind betroffen. Tommy Erbe vom Werbeteam Berlin spricht dabei von „signifikanten Umsatzrückgängen“. So gäbe es ein Minus von acht bis 15 Prozent beim Handel.

Der durchschnittliche Berlinbesucher verweilt nach Erbes Einschätzung gerade einmal zwei bis drei Tage in der Stadt, die er dann aber in der Ost-City in der Friedrichstraße verbringe: „Denn er kommt schließlich am Hauptbahnhof an und wer fährt dann mit der Taxe wieder zurück zum Zoo?“

Sebastian Rosendahl, Filialleiter von C & A im Kudamm-Eck, bestätigt diesen Befund: „Wir verzeichnen einen spürbaren Rückgang der Kundenzahlen von sechs bis acht Prozent, der schlagartig mit der Schließung des Bahnhofs einsetzte und den wir durch die verlängerten Öffnungszeiten zu kompensieren versuchen.“ Mehr Glück haben da die Geschäftsleute in Richtung Wittenbergplatz. Geschäftsleiter Gerd Seehafer von der Bekleidungsfirma Brummer Gustav Seehafer in der Tauentzienstraße sagt: „Wir haben keine Veränderungen nach der Schließung des Bahnhofs Zoo bei den Besucherzahlen festgestellt.“

Neue Impulse erhoffen sich die Ladenbesitzer, Hotel- und Gewerbetreibende daher vom Bau des Riesenrads im Windschatten des Zoologischen Gartens. Als neue Attraktion ist das Riesenrad mit seinen 175 Metern Höhe doppelt so hoch wie das Europa-Center und verfügt über 36 Kabinen zu je 40 Passagieren. Nach den Plänen des Investors sollen dann mindestens 1,5 Mio. Besucher jährlich eine Runde mit dem Rad fahren. Die Vision: Mit dem Bau des Riesenrades soll die Gegend rund um den Bahnhof Zoo neu belebt werden und als städtebaulicher und touristischer Magnet positive Auswirkungen auf die City West haben. Das hofft auch Helga Frisch, ehemalige Pastorin und Initiatorin eines Bürgerbegehrens für die Erhaltung des Bahnhofs Zoos als Fernbahnhof. Die Initiative sammelte bislang mehr als 143 000 Unterschriften. Und Helga Frisch bleibt dabei: „Es wird weitere Kundgebungen und Protestveranstaltungen für die Wiedereröffnung des Fernbahnhofs Zoo geben.“ Ob Bahnchef Hartmut Mehdorn die Signale hört?

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