Zeitung Heute : Häuser für gehobene Hobbys

Hans Pfeifer

An Eigenheimen am Standrand oder im Umland von Berlin besteht kein Mangel. Noch immer profitieren Interessenten preiswerter Häuser vom Bauboom in den neunziger Jahren, bei dem die Wohnparks wie Pilze aus dem Boden schossen. Wer das Besondere sucht, hat es jedoch schwer. Obwohl "kleine integrierte Projektstandorte mit individuellem Charakter präferiert" werden, so die Marktuntersuchung von Aengevelt Research zur Region Berlin-Potsdam. Die Immobilienprofis registrierten zum Jahresbeginn 2002 eine "zunehmende Verschiebung zugunsten einkommensstarker Nachfragegruppen". Hochwertige Nischenangebote statt billiger Massenware, heißt also das Gebot der Stunde. Diesen Markt versuchen einige Bauträger zu bedienen. Unter anderem mit den folgenden Projekten.

Beispiel "Alter Fährhof" in Alt-Heiligensee. Dort plant die Viterra Baupartner AG Eigenheime in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dorfkern Alt-Heiligensee. Das Ensemble aus sechs Doppelhaushälften und drei Reihenhäusern ist in märkischer Hofform angeordnet. Der Clou des "Alten Fährhofs" besteht jedoch darin, dass das 4200 Quadratmeter messende Grundstück direkt am Nieder Neuendorfer See liegt. Zu jedem Haus gehört ein eigener Bootssteg. Die Eigentümer können also mit ihrer Yacht vor der Haustür ankern. Solche Lage hat natürlich ihren Preis. So kosten 125 Quadratmeter Wohnfläche in der Doppelhaushälfte "Seeblick" 449 000 Euro. Dafür erhält der Käufer noch 68 Quadratmeter Keller und 32 Quadratmeter im Spitzboden des Hauses sowie ein 500 Quadratmeter großes Grundstück zuzüglich 129 Quadratmeter anteilig an den Gemeinschaftsflächen. Zu sehen ist in der Alt-Heiligenseer Fährstraße bisher erst der Bootssteg. Baubeginn soll aber noch in diesem Jahr sein, versichert Projektleiter Martin Linz.

Am Wolziger See, unweit des Autobahndreiecks Spreeau südöstlich von Berlin, soll jetzt nach jahrelangem Planungsanlauf die FlyinCommunity Berlin-Friedersdorf entstehen. Der erste Bauabschnitt, für den es schon einen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt, umfasst 13 Doppelhaushälften. Sie liegen in der Nähe eines Privatflugplatzes. Die Nutzer können ihren Flieger bequem in Hangars im Erdgeschoss der Häuser parken. Von dort aus rollen sie über den kurzen Taxiway zur Start- und Landebahn. Ein eigener Securitybereich sowie die begrenzte Anzahl der Häuser garantieren Ruhe und Exklusivität. Das Angebot richtet sich vor allem an Manager weltweit tätiger Konzerne und Kanzleien, für die Mobilität ein hohes Gut darstellt. Investor ist die Unternehmensgruppe Dr. Brauner. Was das Wohnen in Deutschlands erstem Fliegerdorf kosten wird, war noch nicht zu erfahren. Planungsleiter Reiner Höntsch sondierte noch die Lage auf der Luftfahrtshow ILA in Schönefeld.

Kurz hinter der Stadtgrenze und in unmittelbarer Nachbarschaft von Frohnau liegt der Golf & Wohnpark Stolper Heide. Dort wohnt man nicht nur in einem Golf- & Country-Ambiente, man kann auch in fußläufiger Entfernung von der eigenen Haustür einputten. Die Stadtvillen mit 181 Wohnungen liegen am Rande von zwei 18-LochGolfplätzen. Die ersten Mieter und Käufer zogen bereits vor vier Jahren ein. Danach wurde das Areal noch erweitert. Die Nachfrage von Mietern und Käufern sei groß. Zu vermieten habe die Projektträgerin Deutsche Golf GmbH & Co KG schon lange nichts mehr. Prokurist Dr. Falk Vogel bietet jedoch noch 20 Eigentums-Maisonettewohnungen feil. Angesichts der Ausstattung mit Tiefgarage, Fahrstuhl und Blick aufs Green nehmen sich die Quadratmeterpreise von unter 2000 Euro fast moderat aus.

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