Zeitung Heute : Halali

Der Tagesspiegel

Von Andreas Conrad

Lyrikfreunde, aufgemerkt! Quiz ist zur Zeit Trumpf in der hiesigen Medienlandschaft, da kann ein Blatt wie dieses nicht abseits stehen. Also, Lauscher auf: „So gab ich dem Reh einen ganz kleinen Stips, da war es aus Gips.“ Wer formte diese unsterblichen Verse, ebenso verständnisvoll für die Frustration des lyrischen Ichs, das um sein Naturerlebnis geprellt wurde, wie mit feinem humoristischen Potenzial ziseliert? Gewiss, Heinz Erhardt war’s, hätten Sie’s gewusst? Und wie würden Sie reagieren, kreuzte tags über auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Kleinmachnow und Berlin ein echtes Reh Ihren Weg, vom Verkehrsgeschehen auf dem Zehlendorfer Damm gänzlich unbeeindruckt? Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar: Autofahrer könnten mitfühlend nachfragen, ob der Lack auch unbeschädigt blieb. Berlin sei eben doch ein Dorf, dürften die Kiezenthusiasten jubeln. Die Frischverliebten, von frühlingshaftem Sturm in den Adern ganz trunken, werden nachfragen, ob wohl auch ein Bock in der Nähe war. Und „Super-Illu“-Leser werden erleichtert feststellen, dass eine Verwechslung der großohrigen Ricke mit einer Spezies namens Genschman ausgeschlossen ist. Die ausladenden Lauscher mögen stets sein Markenzeichen gewesen sein, allein, ihr Anstellwinkel, so verriet er dort, nimmt spürbar ab. Pantha rei, das wussten schon die Griechen.

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