Zeitung Heute : Halb ankommen

Wie eine Berlinerin, West, die Stadt erleben kann

Ariane Bemmer

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Gerade komme ich aus dem Urlaub zurück, aber mein Koffer, der ist noch unterwegs. Es ist ein seltsames Gefühl, ohne Koffer wieder zu Hause zu sein. Es fehlt so viel. Die ganzen Lieblingskleider, die man mit hatte. Die vielen kleinen Geschenke für die Daheimgebliebenen. Das Rumpeln der Waschmaschine, in der die Sachen wieder mit dem gewohnten Waschmittelgeruch versehen werden. Ohne Koffer ist man irgendwie gar nicht angekommen.

Mein Koffer und ich sind gemeinsam eingestiegen in New York, wo ich eine Freundin besucht habe. Wir flogen über London nach Hamburg, wo ich mein Auto abholen wollte. In London musste ich im Dauerlauf zum Flugzeug nach Hamburg eilen und befürchtete da schon, dass mein Koffer so schnell nicht sei. Aber dann dachte ich: Hach, Unsinn, schließlich fliegst du ja mit British Airways! Die Briten, die wissen, was sich gehört. Und können in London bestimmt Wunder geschehen lassen. Dass Koffer stehen bleiben, das passiert doch nur bei KLM, der niederländischen Fluggesellschaft, mit der ich dreimal verreist bin und dreimal von meinem Koffer getrennt wurde. Einmal sogar auf der Hin- und auf der Rückreise.

Am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel drehte sich das Gepäckband eine ziemlich Weile mit nur noch einem Golfschlägerset, einer blauen Reisetasche und einer Tube Sonnencreme drauf, bis sich die restlichen Reisenden damit abfanden, dass sie hier nichts mehr zu erwarten haben. Am British-Airways-Gepäcksuchschalter wurden wir alle aufs freundlichste bedient. Wir bekamen rote Zettel mit Referenznummern, mussten sagen, wie unser Gepäck aussieht und wurden versichert, dass es uns morgen persönlich zugestellt würde. Ich setzte mich ins Auto, fuhr nach Berlin und wartete den kommenden Tag auf meinen Koffer.

Gegen 18 Uhr rief ich die Hotline an. Mein Koffer reise mit Lufthansa über Frankfurt nach Berlin und komme dort um 18.10 Uhr an. Lufthansa! Mein Koffer hatte es gut. Um 21 Uhr rief ich noch mal an. Ja, der Koffer, der sei wohl noch im Zoll. Aber ich könne ja in Tegel anrufen, die wüssten sicher mehr, hier die Nummer und noch vielmals Vergebung, erbat der Hotline-Mitarbeiter. Ich rief in Tegel an.

Für all das könne er ja wohl nichts, das liege am Zoll, blaffte mich der Berliner Mitarbeiter an. Und ob das heute noch ausgeliefert werde, das bezweifle er doch sehr. Man werde mich anrufen. Gegen 22 Uhr rief der Mann vom Auslieferdienst an. Ob ich den Koffer wohl heute noch bekommen könne, fragte ich. Klar, sagte der Mann, so gegen zwei Uhr morgens sei der Fahrer aus Cottbus wieder in Berlin, dann könne er bei mir vorbei kommen. Und, dass er ja nun nichts dafür könne. Nein, nein, sagte ich und legte auf.

Zum Glück habe ich ja noch das Hygieneset aus dem British-Airways-Flugzeug, inklusive Klapp- Zahnbürste und Minitube Zahnpasta. Damit komme ich ein paar Tage aus. Und im Schrank sind ja noch Kleider. Zeug, das ich lange nicht anhatte. Zuhause ohne Koffer, das ist ein bisschen wie Urlaub. Thank you, British Airways. Auch, wenn ihr ja nichts dafür könnt.

British Airways fliegt in die ganze Welt

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