Zeitung Heute : "Hall of Fame": Alfa P3 - eine Rennlegende

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Die Blicke zieht er nicht unbedingt auf sich - der Alfa P3 in Halle 5.3 gleich gegenüber dem faszinierenden Koenigsegg. Er ist ein rot lackierter Rennwagen mit jener Linie, wie sie Anfang der Dreißiger verbreitet war. Die meisten Besucher gehen schnell an ihm vorbei - dabei ist gerade er einer der größten Schätze, die die Sammlung exklusiver Fahrzeuge in der "Hall of Fame" zu bieten hat. Denn dieses Auto ist ein Siegerauto, ein geradezu legendäres Siegerauto sogar aus einem knappen halben Jahrzehnt, in dem Alfa Romeo auf Sieg abonniert war. Gewann doch die Alfa-Werksmannschaft von 1931 bis 1934 in Le Mans, von 1931 bis 1935 die Targa Florio, von 1931 bis 1934 die Mille Miglia und dazu noch zahlreiche Grand Prix, wobei der spektakulärste Sieg der im Jahre 1935 beim deutschen Grand Prix auf dem Nürburgring war, bei dem Tazio Nuvolari am Steuer saß, einer der ganz großen Rennfahrer jener Zeit, der auch das in Berlin gezeigte Auto zu zahlreichen Siegen lenkte - in Montlhéry oder in Syrakus und auf vielen anderen Pisten. Der Alfa P3 ist eine Konstruktion von Vittorio Jano, den der damals noch sehr junge Rennfahrer Enzo Ferrari 1923 von Fiat abgeworben hatte. Von 1933 an fuhr der bis zu 230 km/h schnelle Alfa P3 von Sieg zu Sieg. Und wenn man ihm unter die Motorhaube blickt, dann entdeckt man einen aufgeladenen 3,2-Liter-Achtzylinder-Reihenmotor, der in seiner Konstruktion ganz typisch für Jano ist. Neben zwei obenliegenden Nockenwellen für die jeweils vier Ventile pro Zylinder und halbkugelförmigen Brennräumen hat er zwei Kompressoren. Und schon früh hatte Jano sich entschlossen, den Reihenachtzylinder in zwei Vierzylinder-Blöcke aufzuteilen - mit dem Abtrieb in der Mitte. Ganz eigenwillig beim P3 sind zwei V-förmig zur Hinterachse verlaufende Kardanwellen mit verschiedenen Untersetzungen, die mit einem Dreiganggetriebe insgesamt sechs Gänge ergeben. Und Mechanik der feinsten Art sind die einstellbaren Reibungsstoßdämpfer des P3. Nach 1935 endete die Erfolgsserie der roten Alfa-Renner, denn den neuen Silberpfeilen von Mercedes-Benz und der Auto Union waren sie nicht mehr gewachsen. Noch eines fällt auf beim P3 in Berlin. Auf der Motorhaube trägt der das Zeichen der Scuderia Ferrari mit dem springenden Perd, dem "cavallo rampante". Denn Enzo Ferrari führte Ende der Zwanziger den Werksrennstall von Alfa und tat das auch Anfang der 30er, obwohl der Alfa bereits 1929 verlassen hatte. Und dreizehn Alfa P3 hat er 1934 für seinen Rennstall übernommen - ein wahrer Star aus der Motorsportgeschichte, der sich hier geradezu bescheiden präsentiert.

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