Zeitung Heute : "Hall of Fame": Zwei heimliche Stars der aaa 2000

Ingo von Dahlern

Ein Supersportwagen mit dem Namen Koenigsegg - noch nie gehört, wird da fast jeder antworten. Ferrari, Lamborghini, Maserati, Porsche, de Tomaso aus Europa und Chrysler Viper sowie Chevrolet Corvette aus der Neuen Welt - die alle sind mehr oder weniger bekannt. Aber mit einem Koenigsegg, der noch dazu aus Europas hohem Norden, aus Schweden nämlich, kommt, weiß bislang niemand etwas anzufangen. Dabei ist dieses Auto einer der heimlichen Stars der noch bis Sonntag geöffneten "aaa 2000" unterm Berliner Funkturm.

Finden kann man ihn allerdings nicht in den großen Personenwagen-Hallen, sondern in der dritten Etage der Halle 5 - in der "Hall of Fame", in der sich eine ganze Kollektion seltener und exklusiver Personen- und Sportwagen aus fast zehn Jahrzehnten Automobilgeschichte präsentiert. Hier steht auf einem schrägen runden Podest der Koenigsegg CC, mit dem Christian von Koenigsegg einen seit seiner frühen Jugend geträumten Traum hat Realität werden lassen - den perfekten Sportwagen nämlich.

Das sind große Worte. Doch das Ergebnis der 1994 begonnenen Entwicklung ist faszinierend. Das gilt für die Form dieses Autos ebenso wie die Technik, die sich unter seiner Außenhaut verbirgt. Einer Haut aus extrem teuren und sehr leichten Kohlefasern, die mit Epoxidharz getränkt und dann unter hoher Temperatur ausgehärtet wurden. Und dieses leichte und trotzdem extrem stabile Material hat er nicht nur für die Karosserie, sondern für auch für das Chassis verwendet. Kein Wunder, dass dieses Auto mit einer Länge von 4,19 Meter, einer Breite von 1,99 Meter und einer Höhe von 1,07 Meter ein wahres Leichtgewicht ist, dass leer gerade einmal 1100 Kilo auf die Waage bringt, obwohl es auf den ersten Blick sehr viel gewichtiger aussieht. Mit dieser Bauweise ist der Koenigsegg dem gleich neben ihm stehenden Ferrari F50 vergleichbar und auch der McLaren F1 ist aus teuren Kohlefasern gebaut.

Zwei Personen haben im Cockpit dieses Supersportlers Platz, der nicht nur außen sondern auch innen durch seine überzeugende Linienführung gefällt. Man sitzt tief in den extrem guten Halt gebenden Schalensitzen mit ihren Lederpolstern, die ebenso verstellbar sind wie das Lenkrad, so dass man mit wenigen Handgriffen eine sichere Position hinter dem griffigen Lederlenkrad findet. Und besonders überraschend ist, dass in diesem Auto auch Zwei-Meter-Riesen ordentlich sitzen können. Und auch die Kopffreiheit ist ausreichend - ja insgesamt überzeugt der Innenraum mit einem für einen Zweisitzer rundum großzügigen Platzangebot.

Allerdings müssen zwischen den 2,66 Meter voneinander entfernten Achsen nicht nur die beiden Passagiere, sondern auch der Motor Platz finden. Letzterer zwischen Insassen und Hinterachse, denn der schwedische Sportler hat einen Mittelmotor, der seine Antriebskraft an die Hinterachse weiter gibt. Dieser Motor ist ein 4,6-Liter-V8-Indy-Car-Triebwerk, dessen Block von Ford stammt. Alles andere um den und in dem Block stammt von Koenigsegg - das gilt für die Vierventil-Zylinderköpfe ebenso wie für die Kolben, die Pleuel und viele andere Details dieses Triebwerks, das mit zwei Ladern ausgestattet ist. Es entwickelt eine Leistung von 482 kW (655 PS) und liefert bei 5000/min sein höchstes Drehmoment von 750 Nm - ein ungemein kraftvolles Aggregat, das den schwedischen Supersportler binnen gerade einmal 3.2 Sekunden auf Tempo 100 katapultiert und bis zu 390 km/h ermöglicht. Mit diesen Werten ist der Koenigsegg das derzeit schnellste für den Straßenverkehr zugelassene Fahrzeug, das noch erheblich flotter ist als der erst kürzlich von uns vorgestellte Porsche Carrera GT.

Geschaltet wird mit einem sequenziellen Sechsganggetriebe - entweder mit einem Aluminium-Schalthebel, der zum Gangwechsel nur angetippt werden muss, oder auch über Tasten am Lenkrad, wie sie Formel-Rennwagen haben. Und Formel-1-Technik sind auch manche anderen Details, wie zum Beispiel die einstellbaren schwedischen Öhlin-Stoßdämpfer, die auch mit einer Niveauregulierung verknüpft sind. Ebenfalls ein schwedisches Produkt sind die Hoch-leistungs-Scheibenbremsen mit wichtigen Elementen, die für ein schwedisches Kampfflugzeug entwickelt wurden und die es erlauben, den so schnellen Sportler ebenso schnell zum Stand zu bringen. Das gesamte Fahrwerk zeichnet sich dadurch aus, dass es in seinen wichtigsten Parametern einstellbar und damit an die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Fahrzeuglenkers anpassbar ist. Das gilt auch für den Innenraum.

Spitzenwerte erreicht der Koenigsegg schließlich bei der Aerodynamik, wo er mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,30 glänzt. Raffiniert versteckte Spoiler, ein aerodynamisch optimierter Fahrzeugboden und exakt berechnete Venturi-Öffnungen im Heck sorgen bei hohem Tempo für ausreichenden Anpressdruck bei diesem Sportler, der ohne voluminösen Heckflügel auskommt. Und wo immer man bei diesem Auto mit abnehbarem Dach hinblickt, erkennt man, dass jedes Detail perfekt vollendet wurde, nichts an diesem Auto provisorisch oder gar "gebastelt" sondern alles professionell und in höchster Qualität gestaltet erscheint. Eingestiegen wird durch zwei mit einem speziellen Mechanismus nach oben und vorne klappende breite Türen. Und unter der vorderen Haube des Sportlers ist sogar Platz für bis zu 300 Liter Gepäck. Denn ausgelegt ist dieses Auto trotz seiner hohen Fahrleistungen auf komfortables Reisen über lange Strecken und ein besonders wichtiges Ziel seiner Entwickler war umfassende Alltagstauglichkeit. Deswegen gibt es auch ein recht komfortabeles Interieur und neben einer Sicherheitsausstattung mit Gurten, Airbags und ABS auch eine umfangreiche Komfortausstattung.

Nach ausgedehnten Testfahrten mit dem jezt fertigen und so gut wie serienreifen Prototyp soll schon im nächsten Jahr die Serienproduktion dieses schwedischen Spitzensportlers beginnen - in einer exklusiven Kleinserie von rund zehn Fahrzeugen pro Jahr. Der Preis für diesen exklusiven Zweisitzer soll bei rund 780000 DM liegen - unerreichbar für den Löwenanteil der aaa-Besucher. Doch gerade deshalb sollte man die Chance nutzen, diesen heimlichen aaa-Star wenigstens einmal gesehen zu haben.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!