Zeitung Heute : Halloween fürchten

Wie ein Vater Berlin erleben kann

Andreas Austilat

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Marion Schweitzer

Es wird in diesem Land zuweilen darüber geklagt, dass wir zu viele Feiertage haben. Dem kann ich mich nur anschließen. Nein, ich will mich hier gar nicht darüber auslassen, ob wir uns das noch leisten können, meine Motive sind mehr persönlicher Natur. Ich fürchte nämlich, das bekommt unserer Tochter nicht so gut.

Die Geburtstage, okay, die müssen sein, daran ist nicht zu rütteln. Auf Ostern und Weihnachten freut sich die Kleine schon Monate im voraus. Klar, nicht zuletzt wegen der Geschenke. Aber Kinder sind nun einmal auch ausgesprochen konservativ, sie hassen jedwede Veränderung, brauchen ihre Rituale, die geben ihnen Sicherheit. Unser Mädchen hat zum Beispiel eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie ihr Bett zur Nacht arrangiert werden muss. Da ist exakt festgelegt, welches Stofftier an ihrer Seite ruhen darf, sonst wird das nichts. Also, Weihnachten kippen, undenkbar, will ja auch keiner.

Sankt Martin wird ebenfalls gefeiert. Vor allem, weil man da mit der Laterne durch die Dunkelheit irren darf. Das finden Kinder aufregend. Jedenfalls war es bisher so, obwohl doch dabei die immergleichen Lieder gesungen werden. Bin mal gespannt, wie lange das noch gut geht.

Nun ist ein neuer Feiertag in unser Leben getreten, einer, der sich in unserer Gegend aber bislang noch nicht richtig durchgesetzt hat: Halloween.

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich schätze Halloween nicht besonders, weiß auch gar nicht so richtig wie das funktioniert. Im Großen und Ganzen handelt es sich wohl darum, dass Kinder mehr oder weniger gruselig verkleidet von Haus zu Haus ziehen, einen mehr oder weniger erschrecken und nur wieder abziehen, wenn man ihnen irgendetwas Süßes zusteckt. Was für ein merkwürdiger Handel, das ist doch ritualisierter Straßenraub.

Zugegeben, meine Abneigung hat persönliche Gründe. Ich habe nämlich mal in jungen Jahren im Kino „Halloween“ gesehen, John Carpenters Gruselschocker. Anschließend mochte ich nicht mehr im Dunkeln nach Hause gehen. Blöderweise hielt diese Phobie noch eine ganze Weile an, weshalb ich nicht gerne erschreckt werde. Beim „Weißen Hai“ ging es mir übrigens ganz ähnlich. Nachdem ich den gesehen hatte, mochte ich nicht mal mehr in der Krummen Lanke baden. Ja, es ist schon dramatisch, was so ein Film in einem jungen Herzen anrichten kann.

Unsere Tochter hat solche Vorbehalte natürlich nicht, sie kennt weder „Halloween“ noch den „Weißen Hai“, wär ja auch noch schöner. Aber letztes Jahr hat sie bitterlich geweint, als wirklich gar kein Kind an unserer Tür klingelte. Ich sag’ ja, hat sich bei uns noch nicht so durchgesetzt. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie eigentlich weiß, dass sie ja nichts kriegt, wenn es denn mal klingelt, sondern man umgekehrt was geben muss.

Ich glaube, selber rumziehen mag sie auch nicht so gerne, trotzdem hofft sie schon, dass dieses Jahr ein paar Kinder klingeln. Was aber, wenn wieder keiner kommt? Ich meine, es mag ja noch angehen, wenn ich mir zu Weihnachten einen Bart anklebe. Aber muss ich mir einen Kürbis aufsetzen, damit die Kleine nicht enttäuscht wird?

Am 31. Oktober ist Halloween

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