Zeitung Heute : Hamburger Nachrichten-Magazin spiegelt Ausstellungsmotiv von "elf" wieder

Reinhart Bünger

Die Rubrik "Original und Fälschung" in der Fernsehillustrierten "HörZu" (Springer) gehört zu jenen Konstanten in der deutschen Presselandschaft, die bislang noch jeden Relaunch überlebt haben. Mit Blick auf die Künste der aktuellen Kopisten in der Medien- und Designbranche, ließe sich jedoch auch diese Presse-Antiquität mühelos "updaten": Erst im Mai lieferten sich die Verlage Burda und Gruner + Jahr einen Plagiatsstreit vor dem Bremer Landgericht um die Übereinstimmung der Titelseiten der Publikationen "Life & Style" (Gruner + Jahr, Hamburg) und "Instyle" (Burda, Offenburg). Nach Auffassung des Gerichts hatten die Hamburger mit ihrem Blatt eine "sklavische Nachahmung" produziert - ein "durchsichtiger Versuch" sei unternommen worden, um der Markteinführung des Offenburger "Instyle" zuvorzukommen, so das Gericht. "Die beiden inhaltlich bescheidenen, aber umso aufwendiger gedruckten Promi-Blättchen sind sich zum Verwechseln ähnlich", freute sich "Der Spiegel" in gewohnter Häme.

Konstantin von Hammerstein wusste unter der Überschrift "Zug der Lemminge" über den Vorgang zu berichten, dass die Verlage "mit Vorliebe" Leute aus den Entwicklungsredaktionen der Konkurrenz abwerben, "um deren Arbeit dann abzukupfern". Selbst Kenner der Szene hätten "inzwischen angesichts der zum Verwechseln ähnlichen Titel" den Überblick verloren, empörte sich der Spiegel-Mann. Einige Wochen später war es dann auch beim Hamburger Nachrichtenmagazin soweit, so scheint es jedenfalls: Gleich fünf Verantwortliche werden im "Spiegel"-Impressum der Ausgabe 29/1999 (vom 19. Juli) genannt, die in gemeinsamer Anstrengung auf Tauchstation gingen und dabei eine Idee zutage förderten, die keineswegs neu war.

"Ob Zufall oder Vorlage - wir wissen nicht, was den Erschaffer des Titelbildes des Spiegels inspiriert hat", freut sich Thomas Schalberger, der bei der Mineralölgruppe "elf Oil" für Unternehmenskommunikation spricht. Schalberger ist das Motiv bestens vertraut: Sein Unternehmen finanzierte 1997 eine San-Diego-Ausstellung, die über 40 000 Besucher in das Berliner Völkerkunde-Museum in Berlin Dahlem lockte. "Die bundesweite Werbung und das von dem Berliner Grafiker Michael Anker entworfene Leitmotiv der Ausstellung haben sicherlich zu diesem Erfolg beigetragen", erinnert sich Schalberger. Der Grafiker Michael Anker taucht allerdings nicht im Spiegel-Impressum als Titelbild-Kreativer auf.

Ein gerichtliches Nachspiel dürfte der Vorgang nicht haben: "elf" gibt sich gelassen und betrachtet das Plagiat - wenn es denn eines ist - frei nach Theodor Fontane als "das aufrichtigste aller Komplimente". Man könnte den Spiegel-Titel freilich auch anders sehen. Als Plagiat bezeichnet man allgemein die bewusste Aneignung fremden Geistesgutes, Plagiator ist derjenige, der ein fremdes Werk oder Teile eines fremden Werkes als sein eigenes Werk ausgibt und somit "geistigen Diebstahl" begeht. Doch wer wollte hier die Hand erheben? Wenn man hierzulande bei geistigem Diebstahl nach islamischen Recht die Hand abschlagen würde, gäbe es unter den Kreativen der Branche viele Einarmige.

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