HAMBURGER BAHNHOF„Die Kunst ist super!“ : Wo Marilyn Nofretete trifft

Nicola Kuhn

Natürlich kommt der Titel „Die Kunst ist super!“ flapsig daher. Schon heißt es indigniert, dass es von einem solchen Motto nicht weit zum RTL-Sprech „Die Kunst ist geil!“ sei. Doch der neue Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann mag Schnoddrigkeiten, umso ernster meint er es mit den Werken selbst. Die Eröffnungsausstellung im Hamburger Bahnhof ist ein Coup. Nachdem das Museum monatelang geschlossen war und nur in Teilen die Erstpräsentation schon besucht werden konnte (darunter der Beuys-Komplex im Westtrakt mit der Skulptur „Das Ende des 20. Jahrhunderts“, Foto), musste sein Debüt etwas ganz Besonderes werden.

Die Erwartungen hat Kittelmann erfüllt, auch wenn die radikale Leerung der historischen Halle für manchen Besucher ein geradezu schockartiges Erlebnis bedeutet. Statt Anselm Kiefers Flugzeugen und seiner Bibliothek, Mario Merz und anderer Schwergewichte steht nun einsam und verlassen im riesigen Bahnhofssaal Marcel Duchamps „Fahrrad- Rad“ von 1913, das erste Ready-made der Kunstgeschichte. Die soll zwar im Hamburger Bahnhof nicht umgeschrieben werden, doch wird die Reihenfolge gerne durcheinandergebracht – aus Gründen der Erhellung. So sind Cy Twomblys skripturale Bilder mit Abgüssen von Michelangelos Sklaven zusammengebracht, um auf das klassische Repertoire des amerikanischen Malers mit Wohnsitz in Rom zu verweisen, oder Warhols „Marilyn“ bekommt ein gipsernes Nofretete-Haupt – ebenfalls aus der Abgusssammlung – zur Seite gestellt, um zwischen den beiden Schönheitsidealen eine Brücke zu bauen. So hatte man das bisher noch nicht gesehen. Nicola Kuhn

Hamburger Bahnhof, bis So 14.2., Di-Fr 10-18,

Sa 11-20, So 11-18 Uhr, 12 €, erm. 6 €

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