Zeitung Heute : Hand. und. Fuß.

Der Tagesspiegel

Politik als Wettstreit der klügsten Köpfe? Das war einmal. Nun ist endlich heraus, mit welchem Körperteil die Union dem Kanzler zu Leibe rücken möchte: Es sind die Hände. Stoibers Hände. Der Kandidat wird sie regen und rühren, heben und senken, aber nie im Schoß ruhen lassen, wie es der Kanzler tut. Auf einem ersten Plakat ist schon ein flüchtiger Eindruck davon zu erkennen, und wir blicken erfreut auf die unerhörten Möglichkeiten, die noch drinstecken in dem Motiv bis zum Herbst. Stoibers Rechte, zupackend bis grob, wo es Not tut, treu sorgend dagegen beim Streicheln der Enkelchen. Mit der richtigen Mixtur aus Gefühl und Härte beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg und Zusammennageln der neuen Terrasse daheim, rücksichtslos dagegen, rums! auf die Zwölf, wenn der Weltsozialismus noch einmal sein ekles Haupt erhebt. „Kantig. Echt. Erfolgreich.“ heißt die Botschaft zur unruhigen Hand, akzentuiert durch das führungsstarke Stakkato der drei Punkte, die die F.D.P. ja seit der Erfindung des Projekts 18 nicht mehr braucht. Der Kanzler ist in Zugzwang, er muss, um nicht als Polit-Pudding denunziert zu werden, Ecken und Kanten entwicklen. Aber wie? So: Er muss seine Füße zeigen und sich seiner Hühneraugen nicht schämen. Treten! Abrollen! Rennen! Ja, so hätte Politik endlich wieder Hand und Fuß.

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