Zeitung Heute : Handarbeit

Seit 1995 sind Hüseyin und Aytac Demir erfolgreich im Garten- und Landschaftsbau

Waltraud Hennig-Krebs

Als Hüseyin Demir 1979 aus seinem Dorf im Osten der Türkei nach Berlin aufbrach, träumte der damals 33-Jährige, wie die meisten seiner Landsleute, von einem finanziell abgesicherten Leben für sich und seine Familie. Dass er es geschafft hat und jetzt einen Betrieb für Garten- und Landschaftbau besitzt, hat er durch harte Arbeit, Fleiß und Ausdauer erreicht, meint er rückblickend. Mit Beharrlichkeit ist er diesen steinigen Weg gegangen.

Gut 15 Jahre hat Hüseyin Demir in Gartenbaubetrieben gearbeitet, hat gelernt, wie Bäume und andere Gehölze beschnitten werden, hat Pflanzen in die Erde gebracht und umgesetzt, Rasen gemäht und Laub gefegt. Kurzum: Er hat alle Arbeiten gemacht, die eine Gartenanlage gepflegt aussehen lassen. Die Kunden waren zufrieden und „seine Chefs“, wie er es ausdrückt, ebenfalls. In diesen Jahren „habe ich viel Berufserfahrung gesammelt“, erzählt er. Als 1995 eine große Wohnungsbaugesellschaft ihn wissen ließ, sie würde gern ihre Anlagen von ihm pflegen lassen, wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit.

Sohn Aytac kann sich noch gut erinnern, wie alles begann. Beim Erzählen kommt er seinem Vater zu Hilfe. „Das geht bei mir schneller“, meint er, denn er spricht fließend deutsch. Nein, er sei keineswegs in Berlin geboren. Denn erst 1979 sei er als 13-Jähriger mit seiner jüngeren Schwester nach Berlin gezogen. Kein Wort deutsch habe er gesprochen. Aytac ist stolz darauf, dass er innerhalb eines Jahres die neue Sprache gelernt hat, in eine normale Schulklasse wechseln konnte und den erweiterten Hauptschulabschluss schaffte. „Eigentlich wollte ich Hotelfachmann werden, doch dann brauchte mich mein Vater. Ich musste mich entscheiden“ erzählt er. Dass die Entscheidung für den neu gegründeten Betrieb seines Vaters ausfiel und er seine Lehre in einem großen Berliner Hotel abbrach, scheint für ihn selbstverständlich zu sein. „Ich bin ein Familienmensch, die Schichtarbeit war nichts für mich“, fügt er als eine weitere Begründung für seinen damaligen Entschluss hinzu.

Ganz unten habe man angefangen, sagt der Senior und unterstreicht mit der Hand, wie tief es war. „Wir sind eine große Familie, auch Verwandte haben mitgeholfen“. Er schmunzelt, als er an die Anfänge zurückdenkt. Das private Auto diente nicht nur für Fahrten zu Familienfeiern, sondern auch zum Transport von Laubsäcken, in denen sich die gesammelten Gartenabfälle befanden. Schritt für Schritt ging es aufwärts. Die Kunden waren zufrieden, erzählten es weiter und es kamen neue Aufträge dazu. Nach einem Jahr wurde bereits ein Bus gekauft.

„Nein“, sagt der Vater, „einen Kredit der Bank habe ich nicht genommen“. Sein Startkapital waren erspartes Geld und – im wahrsten Sinne des Wortes – seine Hände. Denn „damals mussten wir noch alles mit der Hand machen“, erzählt er. Heute dagegen arbeiten seine Mitarbeiter überall dort, wo es möglich und erforderlich ist, bei der Gartenpflege in Wohnanlagen – die größte umfasst 30 000 Quadratmeter – mit maschineller Hilfe. Mittlerweile beschäftigen Demir und Sohn acht Leute, darunter einen ausgebildeten Gärtner. Und auch der Fuhrpark hat die stattliche Zahl von acht Fahrzeugen erreicht. Arbeitsbeginn für die türkisch-deutsche Mannschaft ist sieben Uhr morgens. Vater und Sohn führen jeweils eine Kolonne von vier Leuten an. „Ich werde jeden Tag ohne Wecker um fünf Uhr wach“, äußert der Junior. Er genießt das frühe Aufstehen und das Leben an der frischen Luft.

Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und Werbezettel läuft das Geschäft. „Wir machen alles, nur keine Handwerkerarbeiten“, sagt Aytac Demir und fügt hinzu „Gartenarbeit können wir nur einige Monate machen, aber wir müssen das ganze Jahr über arbeiten und Geld verdienen“. Das Schild an den Geschäftsräumen in der Tempelhofer Borussiastraße weist dementsprechend auf weitere Dienstleistungen hin: Angeboten werden Winterdienst sowie die Reinigung von Hausaufgängen, Büros und Fenstern.

Die Sparten Garten und Reinigung seien streng getrennt, erklärt der Junior. Sie hätten jeweils andere Autos und auch an der Arbeitskleidung sehe man den Unterschied. Er möchte den Betrieb weiter ausbauen und hat sich deshalb bei der Industrie- und Handelskammer informiert, welche Möglichkeiten in der Hinsicht bestehen, vor allem möchte er Ausbildungsplätze schaffen. Allerdings nur Schritt für Schritt – ganz im Sinne seines Vaters. Man müsse „erst eine Schrippe langsam aufessen, dann die nächste anbeißen, sonst erstickt man“, ist seine Devise.

Das Wichtigste bei der Arbeit sei die Motivation, dann mache sie auch Freude. Und wenn jemand etwas gerne tut, gelingt es auch, philosophiert Demir junior. Sein Vater und er könnten nur Mitarbeiter gebrauchen, die mit dem Herzen bei der Arbeit sind.

Zurück in die Türkei wollen beide nicht. „Ich lebe in Deutschland, hier esse ich mein Brot“, sagt Hüseyin Demir. Daher ist es für ihn auch selbstverständlich, dass die Familie die deutsche Staatsbürgerschaft hat – mit einer Ausnahme: Sohn Aytac hat bislang noch gezögert. Das ist nicht ohne Witz, denn er ist mit einer Deutschen verheiratet und der zweieinhalbjährige Sohn eine Berliner Pflanze.

Hüseyin Demir, Garten- und Landschaftsbau, Borussiastraße 7 A (Tempelhof), Telefon: 75 70 61 80, Fax: -81, E-Mail: dhueseyindemir@aol.com .

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