Zeitung Heute : Handdruckspritze und Mannschutzbrause

Das Feuerwehrmuseum Tegel zeigt, wie 1650 gelöscht und 1898 getaucht wurde

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Schnell füllt sich das brennende Zimmer mit Theaterdampf. „Nach vier Minuten hat der Qualm die Betthöhe erreicht“, sagt Stefan Sträubig. Dann reichten im Ernstfall drei, vier Atemzüge für eine Rauchgasvergiftung. Im „Rauchraum“ des Feuerwehrmuseums in der Wache Tegel kann der Ernstfall simuliert werden. Die Lehre verfehlt ihre Wirkung nicht – und sei es nur als Mahnung, einen Rauchmelder anzuschaffen.

Sträubig, früher aktiver Feuerwehrmann, kümmert sich mit Elan um das Museum. 8500 Besucher sehen sich jährlich die beeindruckende Sammlung zur Geschichte der Berliner Feuerwehr an. Eine Handdruckspritze mit Wenderohr aus dem Jahr 1650 ist das älteste Original. Der Schlauch war damals noch nicht erfunden. Bereits 1898 gab es den „Feuertaucher“, der über einen 15 Meter langen Schlauch per Blasebalg mit Atemluft versorgt wurde und durch den nassen Vorhang einer „Mannschutzbrause“ auf dem Helm vor der größten Hitze bewahrt wurde. Wie gefährlich ein Einsatz sein kann, zeigen verbrannte Uniformen und Schutzmasken, verbeulte Helme und der demolierte Korb einer Drehleiter, in dem 1991 zwei Helfer erschlagen wurden. Kurios auch der „Eisfeind“, mit dem Ende der 20er Jahre zugefrorene Hydranten aufgetaut wurden.

Im „Unterwasserraum“ ist zu sehen, wie sich die Arbeit der Taucher von 1930 bis heute verändert hat und auch der Geschichte des Technischen Dienstes ist ein spezieller Raum gewidmet. Längst vergangene Feuerwehr-Geschichte sind die in Tegel wieder aufgebauten Leitstellen der Wehren aus West- und Ostberlin. Per Video erfahren die Besucher, wie es heute in der Einsatzzentrale zugeht. Natürlich gibt es auch etwas für Sammler: eine Vielzahl von Modellfahrzeugen in unterschiedlichsten Maßstäben etwa, viele von Wehrmännern in ihrer Freizeit nachgebaut.

Die Eintrittsgelder – drei Euro, für Kinder von 6 bis 14 Jahren und Gruppen ab acht Personen 1,50 Euro, Führungen 25 Euro, für Kitagruppen und Schulklassen freier Eintritt – fließt nicht etwa ins Museum, sondern ist die Landeskasse. So ist man auf die Aktivitäten des rund 100 Mitglieder zählenden Fördervereins und auf Spenden angewiesen. Stefan Sträubig hofft, bald den ersten Berliner Rettungshubschrauber in Tegel zeigen zu können. -du

Feuerwehrmuseum, Berliner Str.16, Tegel: sonntags bis dienstags von 9 bis 12 Uhr sowie mittwochs von 16 bis 19 Uhr geöffnet. Schulklassen und andere Gruppen sollten sich frühzeitig unter Tel.: 38710933 anmelden.

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