Zeitung Heute : Handwerker befürchten Einbußen

Hans-Christoph Neidlein

Wenn die Einspeisevergütung für Solarstrom ab dem 1. Januar 2009 um mehr als neun Prozent sinkt, befürchten viele Handwerker ernsthafte Schwierigkeiten. Denn: In Süddeutschland und im Westen der Republik macht das Solargeschäft schon zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Umsätze des Elektrohandwerks aus.

Die Installateure sind es, die den Eigenheimbesitzern und Wohnungsbaugesellschaften die Anlagen zusammenstellen und auf die Dächer bringen. Deshalb warnt der in Frankfurt am Main ansässige Zentralverband des deutschen Elektrohandwerks (ZVEH): Tausende Solar-Jobs in Handwerk und Mittelstand sind in Gefahr. „Eine zu schnelle und abrupte Absenkung der Förderung gefährdet den heimischen Solarmarkt und damit eine Vielzahl der rund 20 000 in diesem Segment Beschäftigten im Handwerk“, sagt Wolfgang Schmitt vom Vorstand des ZVEH. Die notwendige Rendite könne dann von den meisten Betrieben nicht mehr erwirtschaftet werden. Derzeit betrage der Anteil der handwerklichen Leistungen an den Gesamtkosten einer Solarstromanlage zwischen 25 und 30 Prozent. Dieser Posten lässt sich kaum reduzieren. Um eine verschärfte Absenkung der Einspeisevergütung sowie steigende Kosten für Material und Mitarbeiter aufzufangen, müsste die Industrie ihre Preise für die Solargeneratoren innerhalb der nächsten fünf Jahre etwa um die Hälfte senken. „Das ist kaum realistisch“, urteilt Schmitt.

Jede zweite Solaranlage wird von Elektrohandwerkern installiert, sie können rund ein Drittel des Marktes für sich beanspruchen. Deshalb entstanden im Handwerk seit 2004 mehr als 12 000 neue Arbeitsplätze. Der Zentralverband spricht vom Solarboom als Sonderkonjunktur. Bundesweit gibt es 78 000 elektrotechnische Handwerksbetriebe. Jeder dritte Betrieb ist im Solargeschäft tätig. Mittlerweile gibt es in fast jeder dieser Installationsfirmen einen auf Photovoltaik spezialisierten Mitarbeiter.

Unterstützung bekommen die Handwerker vom Industrieverband der deutschen Solarwirtschaft. „Unsere Branche ist erfolgreich dabei, die Kosten für Solarstrom weiter zu senken“, betont Carsten Körnig, Geschäftsführer des Verbandes. „Die Modulpreise sind in den vergangenen zwei Jahren um zehn Prozent gesunken, die Preise für Komplettsysteme 2007 um sechs Prozent.“ Kostensenkungen von jährlich über sieben Prozent, wie von der Bundesregierung jüngst gefordert, seien trotz aller technologischen Fortschritte nicht möglich. Zudem werde die nötige Betreiberrendite von 6,5 Prozent durch die geplante Vergütungsabsenkung gefährdet. Von einem Nachfragerückgang in Deutschland seien das Handwerk und der Mittelstand als Erste betroffen.

Elektromeister Helmut Godard aus Freiburg im Breisgau wählt drastische Worte: „Wir sind die Gelackmeierten“, sagt er. „Die Stimmung ist mies, durch die Verschärfung des Gesetzes könnte es viele Opfer geben“. Die „einzige Chance, Kosten einzusparen ist die Montage mit billigen Subunternehmern“, sagt der Handwerker. „Doch das wollen wir nicht, weil es auf Kosten der Qualität geht.“ Hans-Christoph Neidlein

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