Zeitung Heute : Handwerker: Was bei der Beauftragung beachtet werden sollte

Andreas Lohse

Die Zeitschrift "test" hatte vor geraumer Zeit ihre Leser nach Erfahrungen mit Handwerkern befragt. Die rund 2500 Rückmeldungen ergaben, dass mehr als die Hälfte der befragten test-Leser bei Problemen den Fachmann zu Hilfe rufen. Doch Verzögerungen der Arbeiten, so erfuhr die Stiftung Warentest, und undurchschaubare Rechnungen "erregten Missmut".

Die Reparatur kann ein Laie, selbst wenn er dem Handwerker über die Schulter schaut, selten sachgerecht beurteilen. Doch auf einige Punkte kann man achten. Da ist zunächst die Terminvereinbarung. Lassen Handwerker einen fest vereinbarten Termin einfach sausen, kann der Mieter unter Umständen Entschädigung verlangen - dann beispielsweise, wenn "er extra einen Urlaubstag genommen hat", so die Verbraucherschützer. Auch Freiberufler könnten ihren Verdienstausfall geltend machen. Verlange der Auftraggeber allerdings Schadensersatz, müsse er den Termin zwingend fest vereinbart haben. "Am besten schriftlich", denn eine lockere Vereinbarung, etwa "im Laufe des Vormittags", falle nicht darunter. Doch müsse der Kunde schon eine angemessene Zeit warten und eine Verspätung des Handwerkers einkalkulieren. Aber: "Eine Geduldsprobe von über drei Stunden ist in der Regel nicht zumutbar."

Bei größeren Reparaturen, etwa dann, wenn man ein Zimmer oder gar die Wohnung von einem Fachbetrieb renovieren lassen will - sollte man von mehreren Betrieben einen schriftlichen Kostenvoranschlag einholen. Für dieses Angebot darf der Betrieb nur dann etwas verlangen, wenn das ausdrücklich vereinbart wurde oder umfangreiche Vorarbeiten erforderlich waren. Ansonsten ist er für den Mieter selbst dann kostenlos, wenn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Firma etwas anderes steht, entschied in einem Fall das Landgericht Frankfurt / Main (Az. 2 / 2 O 71 / 95).

Ist die Rechnungssumme höher als der Kostenvoranschlag, muss man sie nur dann voll begleichen, wenn es sich um eine unwesentliche Überschreitung handelt, in der Regel etwa um zehn bis 20 Prozent, meinen Rechtsexperten. Stellt der Handwerker bei seiner Arbeit fest, dass er den Rahmen des Kostenvoranschlages nicht einhalten kann, muss er den Kunden darüber informieren.

Der hat dann zwei Möglichkeiten: Er lässt weiterarbeiten oder kündigt die Vereinbarung. Im letztgenannten Fall zahlt er nur die Arbeiten, die tatsächlich auch erledigt wurden. Ist der Preis letztlich allerdings doppelt so hoch wie geplant, handele es sich um Wucher, entschied der Bundesgerichtshof (Az. III ZR 201 / 88).

Dem folgte in einem Fall auch das Amtsgericht Langenfeld. Hier hatte der Hausbewohner bei einem Stromausfall am Wochenende den Elektriker gerufen, der für die halbstündige Reparatur knapp 400 Mark verlangte. Der Kunde zahlte davon 150, den Rest machte der Handwerker gerichtlich geltend. Das Gericht jedoch folgte den Argumenten des Kunden, die Rechnung stehe in einem auffälligen Missverhältnis zur Leistung, da ein anderer Elektrobetrieb vor Ort die Arbeiten mit nur 134 Mark berechnet hätte. Die Richter wiesen die Klage ab und vertraten die Auffassung, der Handwerker habe die Notlage ausgenutzt.

Rechnungsposten

Allgemein gilt: Je detaillierter der Auftrag vorher abgesprochen wird, desto weniger Streit gibt es im Nachhinein. Die Rechnung selbst kann aus mehreren Posten bestehen

Stundensatz: Angefangene Arbeitsstunden werden in der Regel anteilig berechnet. Ist nichts anderes vereinbart, darf der Fachmann nicht eigenmächtig auf volle Stunden aufrunden.

Anfahrt: Ohne Vereinbarung dürfen solche Zusatzleistungen nicht gesondert berechnet werden, entschied das Amtsgericht Königstein (Az. 21 C 515 / 96). Eine Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, derzufolge Fahrzeiten als Arbeitszeiten gelten, hat der Bundesgerichtshof schon vor etlichen Jahren für rechtswidrig erklärt (Az. X ZR 75 / 83). Auch Wegstrecken, die der Handwerker zur Beschaffung des zur Reparatur nötigen Materials zurücklegt, gehen nicht zu Lasten des Mieters (AG Köln, Az. 115 C 303 / 92).

Material: Mitunter glaubt der Auftraggeber, Ersatzteile, Kabel oder anderes zur Reparatur nötige Material selbst billiger besorgen zu können als der Fachmann. In diesem Fall sollte man sich ganz eindeutig absprechen, denn der Handwerker wird meist sein eigenes Material mitbringen - schließlich haftet er für die Funktionstüchtigkeit. Baut er Kundenmaterial ein, muss er dafür keine Garantie übernehmen, und etwaige Regressforderungen haben kaum eine Chance. In Rechnung stellen darf der Fachmann aber nur das tatsächlich verwendete Material. Ein genereller Pauschalbetrag für Kleinteile ist unzulässig (OLG Bamberg, Az. Ws 424 / 81).

Rüstkosten: Sind für die Arbeiten besondere Geräte oder Wagen erforderlich, ist ein Zuschlag dafür nur statthaft, wenn das Handwerkszeug nicht zur typischen Grundausstattung des Betriebes gehört. Wird ein betriebsübliches Spezialgerät bei der Arbeit benötigt, geht das nicht zu Lasten des Kunden (OLG Schleswig-Holstein, Az. 9 U 143 / 97).

In jedem Fall aber müssen die Arbeiten nicht unmittelbar nach ihrem Abschluss bezahlt werden. Das kann sogar fatal sein, wenn sich erst später herausstellt, dass die Reparatur nicht den gewünschten Erfolg hatte oder die Rechnung überhöht ist. Ein Kunde, der zahlt, ist mit der Forderung einverstanden und hat die Arbeit als zufriedenstellend abgenommen. Geizen Sie mit Ihrer Unterschrift: Niemand sollte sich von einem vielleicht barschen Fachmann einschüchtern lassen, der behauptet, der Kunde müsse die Arbeiten quittieren oder gar sofort bar bezahlen. Verlangen Sie eine detaillierte schriftliche Rechnung, prüfen Sie sorgfältig und zahlen Sie erst dann. Ein seriöser Handwerker wird sich auf Diskussionen zwischen Tür und Angel erst gar nicht einlassen, sondern die Rechnung unaufgefordert einige Tage später schicken.

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