Zeitung Heute : Handy-Kosten: Per SMS in die Schuldenfalle

Sebastian Knoppik

Überall auf deutschen Schulhöfen klingelt und piept es derzeit. Wer heute als Teenager kein Handy hat, gilt als "out". Besonders die kurzen, per Mobiltelefon verschickten Nachrichten über den "Short Message Service" (SMS) stehen bei den Kids hoch im Kurs. Doch viele Jugendliche stürzt das Handy in die Schuldenfalle. Und auch wenn Minderjährige im Internet surfen, sammelt sich oft ein nur noch schwer abzubauender Kostenberg an.

Die Kids führen über ihre Mobiltelefone längst nicht mehr nur unbedingt notwendige Gespräche, wie Dieter Zwegat von der Berliner Schuldnerberatungsstelle DILAB berichtet: "Oft werden die Handys nur zum Austausch von Nichtigkeiten benutzt. Diese vielen überflüssigen Gespräche und die SMS-Nachrichten führen dazu, dass oft mehr Kosten verursacht werden, als die jungen Leute bezahlen können". Nach Angaben von Zwegat vertelefonieren Jugendliche oft mehrere hundert Mark pro Monat.

Dabei ist die rechtliche Lage eindeutig: Nur wer volljährig ist, darf einen Vertrag abschließen. Wenn also ein Jugendlicher unter 18 einen Handy-Vertrag unterschreibt, ist dieser grundsätzlich ungültig. Die Mobilfunkunternehmen können die Kosten, die durch einen solchen Vertrag anfallen, auch nicht von den Kunden einfordern. Und so rät Schuldnerberater Zwegat, die Schulden nicht zu bezahlen: "Viele Eltern wissen nicht, dass die Forderungen unberechtigt sind und zahlen einfach."

Matthias Andreesen von D2 Mannesmann in Düsseldorf wiegelt ab: "Handy-Verträge mit Minderjährigen gibt es bei uns nicht. Das Alter wird in jedem Fall geprüft, Jugendliche werden auf die Prepaid-Karten verwiesen." Und auch bei der Bonner Telekom-Tocher T-Mobil versichert man, dass nur Volljährige einen Handy-Vertrag bekommen. "Das wird auch in unseren Läden so umgesetzt", sagt T-Mobil-Sprecher Philipp Schindera. Das Rendsburger Unternehmen Mobilcom, das als Service- Provider eigene Handy-Tarife in den Mobilfunknetzen D1, D2 und E- Plus anbietet, schließt nach eigenen Angaben grundsätzlich keine Verträge mit Minderjährigen. Mobilcom-Pressesprecher Stefan Arlt räumt allerdings ein, dass für die Altersprüfung die Inhaber der Shops verantwortlich seien. "Hier mag es schwarze Schafe geben. Wenn uns so etwas bekannt wird, greifen wir aber ein", so Arlt.

Eine Alternative zu Handy-Verträgen bilden die so genannten Prepaid-Karten. Das sind Handy-Karten, die ein bestimmtes Guthaben enthalten. Wenn dieses Guthaben "abtelefoniert" ist, kann damit nicht mehr telefoniert werden. Die Karte muss zunächst wieder aufgeladen werden. Aber auch hier gibts einen Haken: SMS-Nachrichten können teilweise auch dann noch abgeschickt werden, wenn kein Guthaben mehr auf der Karte ist.

Das bestätigen auch die Mobilfunk-Anbieter: "Ein geringes Minus durch SMS-Nachrichten kann sich ergeben. Das ist technisch im Moment noch nicht anders möglich", so Matthias Andreesen von D2. Bald wollen die Betreiber aber eine neue Software einsetzen, damit dieses Problem in Zukunft nicht mehr auftritt.

Aber nicht nur durch Handy-Verträge machen Jugendliche Schulden. Auch Internet und 0190-Service-Nummern würden von Jugendlichen oft genutzt, wie Karin Goldbeck, Juristin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, berichtet. Wenn Jugendliche über den Computer der Eltern im Internet surfen, haften die Eltern. Sie tragen die Kosten, die meist über die Telefonrechnung bezahlt werden.

Anders sieht die Lage aus, wenn der Sprössling eine Telefon-Sex-Hotline anruft. "Der Bundesgerichtshof (BGH) hat entschieden, dass Telefon-Sex-Angebote sittenwidrig sind. Kosten durch solche Angebote kommen also unrechtmäßig zu Stande", sagt Expertin Goldbeck. Sie rät betroffenen Eltern, sich auf jeden Fall zu beschweren und auf das BGH-Urteil zu verweisen.

Dieter Zwegat empfiehlt Eltern, mit ihren Kindern über ihre Wünsche zu sprechen. "Wenn es unbedingt ein Handy sein muss, dann sollte man einem Jugendlichen auf jeden Fall eines mit Prepaid-Karte kaufen. Aber auch da sollten sich die Eltern den Tarif genau anschauen." Sinnvoll sei es, so Zwegat, wenn sich die Jugendlichen ihre Handy-Kosten selbst erarbeiten, etwa durch Zeitungsaustragen. Aber auch wenn es noch so "in" ist, sollten Eltern Grenzen setzen: "Nicht jeder Wunsch muss erfüllt werden", so Zwegat.

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