Zeitung Heute : Handy-Würmer können Geld kosten: Gefahr beim kostenpflichtigen E-Mail-Empfang

Torsten Hampel

Der in Spanien aufgetauchte "Handy-Virus" lässt ein neues Szenario für zukünftige Viren-Attacken naheliegend erscheinen. Der Virus "I-Worm.Timofonica" sorgt zwar bei den spanischen Handy-Besitzern im schlimmsten Fall für unerwünschte SMS-Nachrichten. Seine Nachfolger könnten aber, anstatt willkürliche Mobiltelefon-Nummern anzuwählen, auf dem Handy eingerichtete E-Mail-Adressen nutzen und damit für ihre Empfänger teuer werden. Denn die deutschen Mobilfunkbetreiber verlangen auch vom Empfänger für jede als E-Mail abgeschickte Message Gebühren. So kostet zum Beispiel bei E-Plus jede empfangene Mail 29 Pfennig, bei D 2 39 Pfennig.

Mit Spamming-Filtern, also Software, die unerwünschte Post abweist, ist das nicht zu verhindern. Es gibt sie nicht für den SMS-Standard. "Den Empfang von SMS-Nachrichten kann man nicht ablehnen", sagt Philipp Schindera, Sprecher des Mobilfunkbetreibers T-D 1. "Mit der zukünftigen mobilen Nutzung des Internet wird aber zwangsläufig die Anfälligkeit der mobilen Systeme zunehmen", so Schindera. Daraus seien aber keine Schlüsse für die Viren-Anfälligkeit der gegenwärtigen Mobiltelefon-Standards zu ziehen.

Timofonicas Ausgangspunkt und Verbreitungsgebiet ist das Internet, in dem er sich auf ähnliche Weise bewegt wie sein Verwandter "I love you". Er kommt als E-Mail zu seinen Opfern. Wenn vorhanden, nutzt er das Adressbuch des E-Mail-Programms Outlook von Microsoft und versendet sich selbst an alle eingetragenen Adressen, sobald sein Dateianhang (Attachment) geöffnet worden ist. Gleichzeitig wird die Festplatte durch das geöffnete Attachment-Programm gelöscht.

Das Neue an Timofonica-Wurm ist, dass er eine Nachricht auf willkürlich ausgewählte Telefone im Netz des spanischen Mobilfunkbetreibers Telefonica verschickt. Außer dem Ärger über unerwünschte Mitteilungen richtet er hier keinen Schaden an, da E-Mails nur im Texte-Standard auf den Handys landen. Ausführbare Programme gibt es hier nicht und damit auch keine Möglichkeit für zerstörerische Codes, auf das Mobiltelefon oder die SIM-Karte zu gelangen. Telefonica relativierte indessen die Gefahr. "Wir haben keine Beweise für seine Existenz, es hat keinerlei Probleme in unseren Systemen gegeben", betonte Telefonica in einer Erklärung. "Uns liegen keine Beschwerden von Kunden darüber vor." Telefonica habe den virtuellen Schädling entdeckt und Programme erarbeitet, die ihn stoppen.

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