Zeitung Heute : Hannelore Hoger begibt sich für das ZDF in seelische Abgründe

Robert Bongen

Heute gibt es mal wieder einen "Bella Block"-Krimi. Das ist insofern etwas besonderes, weil das ZDF seine Kommissarin bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Fall lösen lässt. Zuvor wurde sie ganze fünf Mal in sieben Dienstjahren an den Tatort gerufen. Die zahlreichen Fans - und das sind jedes Mal über sechs Millionen - dürfte es freuen. Vor allem aber freut es auch Bella alias Hannelore Hoger selbst. Routine kommt bei ihr allerdings keineswegs auf, für sie ist jeder "Bella Block"-Film - und ihre Rolle - etwas besonderes. Und so betont sie auch immer wieder: "Mich reizt einfach, dass über die Figur Bella der Film erzählt wird. Man erfährt viel über ihr Leben, ihre Haltung, ihre Meinungen. Sie geht nicht nur ins Leichenschauhaus und identifiziert Tote. Wenn das irgendwann wirklich so sein sollte, höre ich auf!" Bella ist keine typische Fernsehkommissarin und Hannelore Hoger keine einfache Frau. Und genau das macht die Exklusivität der Krimi-Reihe aus.

Heute gibt es um 20 Uhr 15 in ZDF darüber hinaus zwei Premieren: Erstmals führte mit Sherry Hormann ("Irren ist männlich") eine Frau Regie. Und es ist die erste "Bella Block", bei der man in einigen Szenen herzlich lachen kann. Wann zuvor saß zum Beispiel schon einmal eine Fernsehkommissarin - natürlich ungewollt - bekifft im Kino? Dieser komische Auftritt ist Teil eines ansonsten sehr eindringlichen Geflechts aus seltsamen Verstrickungen, Abhängigkeiten, Geldgier und Ausbeutung von "Blinder Liebe", das Bella versucht, zu entwirren.

Mord oder Selbstmord lautet dabei zunächst die Frage, die sie diesmal kaum beantworten kann. Denn die Frauenleiche, die aus einem Seitenkanal der Alster gezogen wurde, ist nur noch an einem Feuermal zu identifizieren. Die Kommissarin findet heraus, dass die junge Frau als Klägerin bei einem Sexualstrafprozess aufgetreten war. Als Bella dem damaligen Täter begegnet, der jetzt als Taxifahrer arbeitet, spürt sie, wie gefährlich dieser Mann ist. Hat er sie aus Rache umgebracht? Sie besucht seine attraktive Lebensgefährtin Christa, die in einem Hamburger Vorort in einem bürgerlich eingerichteten Haus wohnt, als Krankenschwester arbeitet und sich rührend um ihre jüngere, geistig behinderte Schwester kümmert.

Sowohl mit Sturheit als auch mit Einfühlungsvermögen kommt Bella in ihren Ermittlungen Stück für Stück voran - und erkennt, mit welchen verhängnisvollen Verbindungen und seelischen Abgründen sie es zu tun hat. Denn hinter Christas vermeintlicher Sehnsucht nach Nähe und Normalität versteckt sich ein Leben aus Abhängigkeiten, Geldgier und sexueller Ausbeutung, das selbst die hartgesottene Kommissarin erschreckt. Der Fall wirft Fragen auf: Wie kann sich eine Frau in einen Vergewaltiger verlieben?

An der Seite von Hannelore Hoger in der Rolle der "Bella Block" sorgen Julia Schmidt als einfältige Biggi sowie Natalia Wörner, die auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, und Martin Wuttke als ungewöhnliches Paar für Spannung und Rührung.

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