• Hanseatic HPE Property GmbH: In Friedrichshain plant die HPE ein "Zentrum für Zukunftsenergien" mit allen Schikanen der Ökotechnik

Zeitung Heute : Hanseatic HPE Property GmbH: In Friedrichshain plant die HPE ein "Zentrum für Zukunftsenergien" mit allen Schikanen der Ökotechnik

Nicole Schneider

Einst war das Spreeufer der industriellen Produktion vorbehalten. Davon zeugen entlang des Stralauer Platzes im Bezirk Friedrichshain noch verlassene Produktionsstätten. Unter ihnen sind auch die denkmalgeschützten roten Backsteinbauten des "Zentralmagazins der städtischen Gaswerke". Diese haben nun wieder eine Zukunft vor sich, die nicht ganz mit der Tradition bricht: Die Altbauten sollen nach den Vorstellungen von Entwickler und Investor Hanseatic HPE Property GmbH Teil eines Zentrums für Zukunftsenergien werden, wobei zwei Neubauten den Bestand ergänzen. Das Konzept stellten die Geschäftsführer des Unternehmens in dieser Woche in einem Pressegespräch vor.

Bis 2002 will die HPE eine Bruttogeschossfläche von etwa 24 500 Quadratmetern an der Spree gegenüber vom Ostbahnhof bereitstellen. Da das Unternehmen für das Projekt eine Förderung des europäischen Strukturfonds erhält, muss sie den subventionierten Teil der Büro- und Gewerbeflächen an Nutzer aus dem Bereich der nachhaltigen Energiewirtschaft vermieten. Nach Angaben der HPE-Chefs Walter Rasch und Alexander Schlag könnte das Areal zu einem "Industriekern" für den Bereich der nachhaltigen Energiewirtschaft in der Region werden. Im Beirat des Projektes hätten Verbände und Unternehmen aus der Branche den Neubauentwurf bereits beratend begleitet. Nun hoffen die Unternehmer auf Mietverträge, um dem neuen "Kompetenzzentrum" Gestalt zu geben.

Um ihrer Zielgruppe ein der Branche würdiges Gebäude zu bieten, hat die HPE das Projekt mit einer ganzen Reihe "ökologischer Technologien" ausgestattet. Das gesamte Energie- und Gebäudekonzept stellt nach Angaben von Projektentwickler Markus Peter vom Steinbeis-Transferzentrum Energie-, Gebäude- und Solartechnik sicher, dass das Gebäude den Niedrigstenergiestandard erreicht. Im Klartext: Die Gewerbeflächen kommen mit rund vier mal weniger Energie aus als Bürobauten nach der derzeit gültigen Wärmeschutzverordnung verbrauchen dürfen. In Zahlen ausgedrückt, sind es 10 Kilowatt-Stunden pro Kubikmeter und Jahr. So viel Energie ist notwendig, um die Räume im Winter zu heizen. Eine aktive Kühlung im Sommer ist nicht erforderlich.

Das stellt ein ganzes Bündel von Maßnahmen sicher. Die Architekten legen das Atrium zwischen den Gebäudeteilen so an, dass es die "passive Solarenergie" nutzt: Das Atrium dient als klimatische Pufferzone für die innenliegenden Flächen des Gebäudes: Diese heizen sich nicht so schnell auf und kühlen sich nicht so schnell ab. Außerdem sorgen "Kamineffekte" im Atrium dafür, dass die verbrauchte, warme Luft auf natürliche Weise abfließt; Klimatisierung ist dabei nicht notwendig. Denn warme Luft steigt nach thermischen Gesetzen auf, und die Planer müssen nur "Lüftungsklappen" unter dem Dach des Atriums vorsehen, um sie entweichen zu lassen. Dadurch entsteht ein Unterdruck, so dass frische, kalte Luft aus den Frischluftklappen im Gebäudesockel nachgesogen wird.

Um die im Sommer hohe Wärmeentwicklung von Büroelektronik in den Innenräumen abzuführen, bringen die Techniker eine ungewöhnliche "Klimatechnik" zum Einsatz: Der Neubau steht auf 200 Betonpfählen, die zehn Meter in die Tiefe hineinragen. Diese dienen sowohl als Fundamente als auch als "Energiepfähle". Denn Rohrleitungen durchziehen den Beton, durch sie fließt Wasser, das sich dadurch abkühlt. Zehn Meter tief unter dem Erdboden beträgt die mittlere Jahrestemperatur circa zehn Grad, so dass das Erdreich das durchfließende Wasser auch im Sommer noch reichlich kühlen kann. Das kalte Wasser fließt von dort über ein Leitungssystem durch die den Decken der Büroräume und kühlt diese ab. Nach Angaben der Techniker beträgt die Kühlleistung bis zu 30 Watt pro Quadratmeter.

Eher einer Erprobung im Alltag als einer raumgreifenden Nutzung dient der Einbau einer speziellen Verglasung auf einem Teil der Westseite vom Atrium. Kleine Kristalle zwischen den Glasschichten verändern bei erhöhter Sonneneinstrahlung auf einen elektrischen Impuls hin - die Spannung beträgt maximal fünf Volt - ihre Formation und lassen so weniger Sonnenlicht ins Gebäudeinnere herein. Durchgehalten haben die Planer den Einbau von Lamellen vor den Fenstern. Dieser Sonnenschutz verhindert zugleich Spiegelungen an Computerschirmen. Zukunftsweisende Technik erproben die Entwickler mit dem Einbau einer Brennstoffzelle. Sie leistet 4,5 Kilowatt elektrische und 8 Kilowatt thermische Energie. Zum Vergleich, eine Glühbirne verbraucht maximal 100 Watt, das sind 0,1 Kilowatt. Brennstoffzellen verbinden Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser und erzeugen bei diesem Prozess Strom und Wärme. Die vergleichsweise kleine Anlage verstehen die Entwickler als Beitrag zur Erprobung der neuen Technologie. Dasselbe gilt für die Photovoltaik-Zellen zur Stromerzeugung sowie für die Sonderanwendung von Solarkollektoren zur Erzeugung von Kälte aus Sonnenlicht. Ein Teil dieser "solaren Kühlung" soll die Spitzenlasten des Restaurant-Betriebs im Gebäude abbauen.

Doch auch alle regenerative Energieträger zusammen reichen nicht aus, um den Energiebedarf des Gebäudes zu decken. Daher beziehen die Betreiber zusätzlich Strom und Wärme vom Heizkraftwerk Mitte. Mit gutem ökologischem Gewissen, denn das Blockheizkraftwerk gehört nach Ansicht von Markus Peter zu den modernsten Europas.

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