HAPPENING„Spielplan Deutschland“ : Notizen aus der Provinz

G a Bartels

Na, welches Stück mag in der letzten Spielzeit wohl Spitzenreiter auf Deutschlands Bühnen gewesen sein? Georg Scharegg, Chef des Theaterdiscounters, der nach dem Verlust der eigenen Bühne in der Monbijoustraße jetzt in den Sophienssaelen untergeschlüpft ist, nennt wie aus der Pistole geschossen Yasmina Rezas Salondrama „Der Gott des Gemetzels“. Recherchen wie die, was auf welchem Stadttheater und in welcher öffentlichen Bühne landauf landab wie oft gespielt wurde, sind die Grundlage von „Spielplan Deutschland“. Im Rahmen des kleinen Festivals „Trilogie der Sommerfrischler“ werden die amüsanten Theaternotizen aus Provinz und Hauptstadt in einer aktualisierten Fassung wieder aufgeführt.

Zehn Schauspieler auf nackter Bühne, die unablässig sprechen, lesen, singen und von projezierten Videoinformationen begleitet werden: Der Kurzabriss aller Stücke der vergangenen Saison von Aachen bis Zittau sieht wie eine große Leseprobe aus. Voller Tempo, Witz und Kontrast. Vom dramatisierten „Schimmelreiter“ Theodor Storms bis zu schlimmen Schulstoff-Langweilern wie Carl Sternheims „Bürger Schippel“ wird zitiert, eingeordnet, besprochen. Zweifellos eine hippe Idee. Und das Ergebnis? Sie seien richtig angetan von der Vielfalt auf deutschen Theaterbühnen, sagt Georg Scharegg. „Dort läuft alles, aber bestimmt kein Einheitsbrei!“ Und in Gestalt eines heiteren Zitatenreigens aus den Intendantenvorworten in den Programmheften der kommenden Spielzeit sind auch gleich die Zukunftsaussichten enthalten. Die führen die munteren Theatermacher vom Theaterdiscounter im Oktober erst mal ins Ballhaus Ost. Gunda Bartels

Sophiensaele, Do-Sa 24.-26.7., 21 Uhr, 13/8 €

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