Zeitung Heute : Happy Holidays

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Wie man Weihnachten übersteht

Hartmut Wewetzer

In vielen Medien hält sich das Gerücht, um Weihnachten herum würden sich besonders viele Menschen das Leben nehmen. Aber das stimmt nicht. Die meisten Suizide ereignen sich im späten Frühling (im Wonnemonat Mai!) und im Herbst, also in den Übergangsjahreszeiten. In dieser Hinsicht haben die Festtage ihren schlechten Ruf also eigentlich zu Unrecht.

Trotzdem sind manche auf Weihnachten nicht gut zu sprechen. Da sind jene, die es wütend macht, wenn sie bei Regen im Stau stehen und im Radio „White Christmas“ hören. Oder ertragen müssen, wenn Florian Silbereisen das „Weihnachtsfest der Volksmusik“ im MDR feiert. Dieser Zorn auf Weihnachtskitsch und geheuchelte Gefühle lässt sich nachvollziehen, aus ästhetischen, aber auch aus emotionalen Gründen. Denn im Winter sind Temperatur und Stimmung im Keller. Zu keiner anderen Jahreszeit sind wir so schlecht gelaunt, reizbar, feindselig und wütend, fanden Psychologen der Universität von Massachusetts in Amherst heraus. Wenn die im Fernsehen dann behaupten, nun müsse man festlich, freundlich, freigiebig gestimmt sein, man aber das Gegenteil fühlt – nun, dann kann manchem schon der Kragen platzen.

Aber es gibt auch Menschen, die sind dem Weihnachtsstress auf andere Weise nicht gewachsen. Das Fest sägt an ihrer Seele, sie kommen ins Grübeln. Erinnerungen steigen auf, Erwartungen werden nicht erfüllt, Einsamkeit stellt sich ein. Was kann man tun, wenn einem das Fest zu sehr zu Herzen geht, wenn einen der „holiday blues“ gepackt hat?

– Bannen Sie die Geister der vergangenen Weihnacht. Wiederholen Sie nicht alte Fehler. Wer zum Beispiel niedergedrückt ist und wie im letzten Jahr dem Glühwein zusprechen will, sollte ganz im Gegenteil Alkohol meiden, denn der macht sonst alles noch schlimmer. Merke: Wein, Bier und Co. können ein Depressivum sein.

– Eine beliebte Stressquelle sind Geschenke, erst recht dann, wenn einem die Zeit oder das nötige Kleingeld fehlen, um sie zu kaufen. Auch hier gilt, dass weniger mehr sein kann. Ein netter, persönlicher Brief, ein hübsches Foto im Rahmen bedeuten den meisten Menschen mehr als ein Kaschmirpulli.

– Besonders wichtig: Versprechen Sie sich nicht zu viel. Ein Weihnachten aus dem Bilderbuch muss nicht sein. Wer weniger erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden.

– Stress abbauen. Zum Beispiel an der frischen Luft oder beim Meditieren.

– Anderen helfen. Mitarbeit in einer sozialen Organisation ist zu Weihnachten besonders sinnvoll – und hilft auch dem Helfenden.

– Das Leben ist schön. Seien Sie dankbar. Und bedenken Sie: Das Glas ist halb voll, nicht halb leer.

Was aber, wenn alles das nicht hilft, um die schlechte Laune zu beseitigen? Dann sollte man sich klar machen, dass auch Weihnachten vorübergeht. Ganz bestimmt. Und dass die Tage wieder länger werden.

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