Harald Martenstein : Es mangelt an Griechen

Bei „Beckmann“ saß doch tatsächlich der Griechenwirt aus der „Lindenstraße“ und sollte als Experte etwas zum griechischen Finanzdesaster sagen. Na ja, was sagt man da? Es ist sehr schlimm. Es ist ein echtes Finanzdesaster. Außerdem hatten sie einen deutschen Journalisten, dessen Name mit „os“ endete, also ein Mensch mit griechischem Migrationshintergrund. Dies ist die Stunde der Griechen. Man sieht im Fernsehen auch mal wieder Vicky Leandros, gut erhalten, die Frau, und unglaublich viele Kleindarsteller, von denen man noch nie was gehört hat, die aber alle mit „os“ enden.

Ich habe mit Fernsehkollegen gesprochen. Im Fernsehen braucht man Gesichter, man braucht Leute, die „es ist sehr schlimm“ sagen und das Problem sei, dass es in Deutschland, in Anbetracht der gigantischen Griechenlandkrise, zur Deckung des medialen Griechenbedarfs einfach viel zu wenige Griechen gibt. Das ist ja überhaupt ein eher kleines Volk, leider, aus heutiger Sicht. Man muss alles zusammenkratzen, was man kriegen kann. Der Kollege sagte, sie seien für eine Sendung an Margarita Mathiopoulos drangewesen, die wohl irgendwie gezickt habe, und der Deutschgrieche Otto Rehhagel sei zurzeit leider völlig von der Vorbereitung der Fussball-WM in Beschlag genommen. Costa Cordalis, nun ja. Der Jackpot für jede Griechenland-Talkrunde ist natürlich Nana Mouskouri, aber die blockt angeblich alles ab. In ihrer Verzweiflung hätten sie sogar schon an Udo Jürgens gedacht, wegen seines Superhits „Griechischer Wein“, aber dann sei ihnen Ivan Rebroff eingefallen. Der Sänger Ivan Rebroff, der in Wirklichkeit Rolf Rippert heiße, habe zwar als nachgemachter Russe Karriere gemacht, sich aber, warum auch immer, vor ein paar Jahren mehr in die griechische Richtung umorientiert, nur, er heißt leider immer noch Rebroff und nicht Nikos Rebropolidis. Dann haben sie recherchiert und festgestellt, dass Ivan Rebroff leider schon vor zwei Jahren verstorben sei, und der Hauptdarsteller des Films „Grieche sucht Griechin“ ist ja nun auch Heinz Rühmann gewesen und leider nicht Til Schweiger. Lebt Thomas Fritsch nicht auf Mykonos? Der Griechenmangel ist also, neben der Finanzkrise, quasi noch eine zweite, kleinere Krise eigener Art, und wenn die Griechen clever wären, dann würden sie jetzt Griechen exportieren.

Das Schlimmste aber, sagte der Fernsehkollege, sei die Prognose, dass als nächstes Land, und noch viel, viel schlimmer, sehr wahrscheinlich Portugal zusammenbricht. Deutsche Portugiesen gibt es praktisch überhaupt keine. Da muss man ja fast schon darum beten, dass es doch Spanien erwischt, da gäbe es mit Peter Maffay, Claudia Schiffer und all den anderen Mallorcabewohnern fast schon ein Überangebot.

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