Harald Martenstein : Rückennummer 68

Harald Martenstein HP Kontur

Ich weiß zufällig, wie man Hertha BSC vor dem Abstieg retten kann und wie Hertha BSC zur besten Fußballmannschaft der Welt wird.

Zum ersten Mal hat der Politiker Roland Koch, glaube ich, im Jahre 1999 die These vertreten, dass an der mangelnden Integration vieler Ausländer die 68er schuld seien. Die 68er hätten den Ausländern gesagt, dass sie sich nicht integrieren müssen, Multikulti sei nämlich viel besser als Monokulti. Im Jahr 2000 hat der „Spiegel“ ein großes Interview mit dem renommierten Kulturhistoriker Hans Peter Duerr veröffentlicht. In diesem Interview wurde überzeugend nachgewiesen, dass der finanzielle Zusammenbruch unseres Sozialstaates mit den 68ern zusammenhängt. Die 68er haben den Leuten gesagt, dass ihr privater Lustgewinn wichtiger sei als die Gemeinschaft, nur das Individuum und sein Glück zähle, Nehmen sei seliger denn Geben. Daraufhin ist der Sozialstaat ziemlich rasch zusammengebrochen. Sehr große Aufmerksamkeit und viel Zustimmung gab es 2006 für die Thesen des Pädagogen Bernhard Bueb. Laut Bueb geht die Krise unseres Erziehungswesens auf die 68er zurück, besser gesagt, auf die Aussage der 68er, dass Disziplin und Anstrengung nicht notwendig oder sogar menschenfeindlich seien.

Für Menschen, die regelmäßig Zeitung lesen, war es folglich nicht überraschend, dass der Augsburger Bischof Walter Mixa die 68er nun auch für die sexuellen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche verantwortlich gemacht hat. Die 68er – um ehrlich zu sein: einige 68er – hätten ja damals gefordert, Sex mit Kindern zu legalisieren. Also taten etliche Priester das auch. Als erstes hat mich bei dieser Aussage gewundert, dass ein so traditionsbewusster Theologe wie Mixa für die Existenz des Bösen in der Welt nicht etwa den Satan haftbar machen möchte, sondern Daniel Cohn-Bendit. Zweitens fand ich es erstaunlich, dass ausgerechnet katholische Priester und Jesuiten das in die Tat umsetzen, was die 68er gefordert haben. Der Klerus hat mit den 68ern doch eigentlich gar nichts am Hut, und nie gehabt, eher im Gegenteil! Da habe ich gedacht, wenn alle, wirklich alle in Deutschland sämtliche Forderungen, und sogar die abstrusesten und schwierigsten Forderungen der 68er widerspruchslos in die Tat umsetzen, dann müssen wir einfach Fritz Teufel und Rainer Langhans in die Hertha-Kabine schicken. Teufel und Langhans müssen von den Spielern fordern, dass sie Tore schießen ohne Ende, keine einzige gegnerische Chance zulassen und sich – so redet man halt im Sport! – den Arsch aufreißen. Das ist, falls Koch, Bueb und Mixa auch nur ein bisschen Recht haben, ein todsicheres Rezept, und das sollte sich Hertha BSC ruhig ein bisschen was kosten lassen.

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