Zeitung Heute : Harley-Davidson: Harley will schnell ins Heute

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Alles ändert sich: Frisuren, Kochrezepte, BVG-Fahrscheine, Zahnspangen. Nur eines nicht, die Harley-Davidson. So dachte man noch beim Anblick des 88-Kubikinch-Motors, der vor etwa zwei Jahren erstmals in die Rahmen kam. Sicher, er war schon einen Tick moderner als der Evolution-Motor zuvor, aber eben echt Harley: mit unten liegender Nockenwelle samt Stößelstangen und Kipphebeln sowie dem traditionellen 45 Winkelgrad im Zylinder-Vau.

Und jetzt das hier, was von der Gestalt irgendwie an Brösels Red Porsche Killer erinnert: die neue V-Rod. Dabei ist natürlich alles ganz anders. Zum Ersten ist das Gerät nicht rot lackiert, sondern silbergrau. Zweitens kann von "Porsche Killer" nun wirklich keine Rede sein, denn die schwäbischen Ingenieure haben sogar dabei mitgewirkt, das Aggregat zu entwickeln (was sie auch schon früher, bereits beim Evo-Motor, taten). Und deshalb - aber vielleicht auch aus anderen Gründen, wer weiß - stecken hier keine aneinander gereihten Horex-Motoren drin, sondern wieder ein Vau-Twin.

Der wird nun "Revolution" getauft, aber nicht deshalb, weil die Kolben darin den Aufstand proben. Nö, weil diesmal Teile den Weg hineingefunden haben, die im Motorenbau seit den 70er Jahren allgemein üblich geworden sind: zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinder, jeweils vier Ventile, über Tassenstößel betätigt sowie eine Flüssigkeitskühlung und eine Nasssumpfschmierung.

Zum Trockensumpf mit dem außen liegenden Ölbehälter wird ja immer dann gegriffen, wenn der Motor wegen der Ölwanne zu hoch bauen würde. Platz spart auch die bislang unten liegende Nockenwelle der Harleys, die den Zylinderkopf relativ flach hält. All das wiederum war wegen des ziemlich engen Zylinderwinkels von 45 Grad nötig. Jetzt jedoch wuchs dieser erheblich, auf 60 Grad. Dadurch wächst das Aggregat zwar (von der Seite her betrachtet) in die Breite, aber nicht in die Höhe, es passt also immer noch in einen Motorrad-Rahmen. Und wo man sowieso schon dabei war, bekam das neue Gerät auch gleich eine Einspritzanlage samt Lambdaregelung und Katalysator. Es ist damit also für kommende Abgasregelungen gut ausgerüstet.

Neue Zielgruppen will Harley damit gewinnen, mit dem Modell, das ein sportlicher Cruiser sein soll. Aus den 1130 Kubik werden 115 PS geholt (bei für Harley wirklich revolutionären 8750/min), das Drehmoment ist mit 88 Newtonmetern (bei 6300/min) eher im Mittelfeld dessen, was möglich ist. Der Motor ist auf Leistung ausgelegt, die sich vor allem in der Höchstgeschwindigkeit bemerkbar macht - und das bei einer nicht verkleideten Maschine. Für rund 38 000 Mark wird sie vom Herbst an bei den Händlern stehen.

Neues auch von Buell

Harleys Sportmaschinen-Tochter Buell bleibt zwar dem Zylinderstand von 45 Grad treu, baut aber auf ihrer neuen XB9R Firebolt einiges um. Die Aluschwinge im Heck dient zum Beispiel als Öltank für die Trockensumpfschmierung, außerdem wurde die 375 Millimeter große, schwimmend gelagerte Bremsscheibe erstmals für ein Serienmotorrad außen an den Speichen (dicht an der Felge) befestigt - nicht mehr an der Nabe des Vorderrades.

Die betont sportlich gehaltene Firebolt holt aus 984 Kubik 92 PS. Sie wird voraussichtlich von Januar an im Handel sein, der Preis steht noch nicht fest.

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