Zeitung Heute : Harmonie ist…

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Von Thomas Eckert

Eine „Schweinerei“ sei das, sagte Jörg Pilawa am Mittwoch in Hamburg, und meinte damit all das, was „Bild“ über ihn und Alida Gundlach geschrieben habe. Kein Wort sei wahr vom angeblichen Geschrei hinter den Kulissen der „NDR Talk Show“, nichts sei dran am angeblichen Zerwürfnis, das Anlass gewesen sein soll für den Abschied von Alida Gundlach. Im Gegenteil:Es wäre doch ganz und gar unnatürlich, wenn es nicht hin und wieder nach Sendungen zu Diskussionen kommen würde, sagte Pilawa.

Angerufen habe er, Pilawa, in der „Bild“- Redaktion, um jenen Redakteur zur Schnecke zu machen, der das Gerücht in die Welt gesetzt habe. Aber der Mann hatte sich in den Urlaub verabschiedet. Besser für ihn, sagte Pilawa, dem sein Programmdirektor Jürgen Kellermeier noch kurz zuvor einen „Hang zur Harmonie“ bescheinigt hatte. Die Hauptperson der NDR-Pressekonferenz in war dann aber doch Alida Gundlach. Nach 220 Sendungen wird sie am 22.März ihre letzte „NDR Talk Show“ moderieren. Und sie wird an diesem Abend, wenn der letzte Gast befragt ist, ganz „sicher heulen“.

Vor die Statements der Beteiligten hatte der NDR eine Viertelstunde mit einigen Ausschnitten aus Alida Gundlachs Talkshow- Schaffen gesetzt. Wie sich doch in 17 Jahren die Frisuren verändern, bemerkte Kellermeier. Und setzte zu einer Eloge auf Alida Gundlach an, die der so Geehrten beinahe, aber doch nur beinahe, die Tränen in die Augen trieb. Ansteckende Fröhlichkeit, entwaffnende Naivität und die Fähigkeit, aus den Gästen mehr herauszuholen, als sie wohl jemals beabsichtigt hätten preiszugeben, das seien die Stärken, mit denen die Moderatorin Maßstäbe gesetzt habe. Ein schweres Erbe für Julia Westlake, die bisher mit dem Moderator Carlo von Tiedemann die „Aktuelle Schaubude“ bestritt und am 4.April die Nachfolge von Alida Gundlach antreten wird. Auch sie habe eine Fröhlichkeit, die durch nichts zu zerstören sei, sagte Kellermeier, der der 29-Jährigen außerdem bescheinigte, neugierig auf Menschen zu sein.

Und ü berhaupt. Alles ist gut, alles läuft bestens, alle sind erfolgreich, und niemand muss traurig sein. Außer vielleicht der NDR, der alles versucht habe, Alida Gundlach umzustimmen. Vergebens. Es sei ausschließlich ihr Entschluss gewesen, die Sendung zu verlassen. Warum genau, das sagte keiner. Ein Zerwürfnis dahinter zu vermuten, sei nichts als Quatsch, sagte Kellermeier. Guter Quatsch. Weil eine Talkshow nie genug PR bekommen könne. Und in diesem Sinne sei das, was die „ Bild“-Zeitung vorgelegt habe, eine perfekte Story. Beste fiktionale Unterhaltung, sagte Kellermeier.

Alida Gundlach wird dem NDR auf jeden Fall erhalten bleiben: Vom 12.April an zeigt N3 einen Vierteiler von ihr über „Herrenhä user in Niedersachsen“. Sie wird Themenabende moderieren. Man plane mit ihr eine Gala-Show in der ARD. Außerdem ist die 57-Jährige vom 1.März an Botschafterin der Deutschen Krebshilfe. Aber das erwähnte Alida Gundlach erst ganz zuletzt, als gehörte es gar nicht dazu. Dabei war es vielleicht sogar das Wichtigste. Jedenfalls für sie.

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