Zeitung Heute : Hart an der eigenen Legende gearbeitet

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Wenn ER, das "Wunder Karajan" selbst, ganz am Ende von Claire Albys Film "Maestro, Maestro" (21 Uhr 50, Arte) bekennt, dass er fest an seine Wiedergeburt glaube, ist das von zugleich banaler wie mehrdeutiger Folgerichtigkeit. Banal, weil jemand, der so an seiner Legende gearbeitet hatte wie der vor zehn Jahren verstorbene Karajan, wohl kaum an jemand anderen glauben könnte als an sich selbst und den eigenen Ewigkeitswert. Mehrdeutig, weil sich aus dem Reinkarnationswunsch noch eine weitere lebenserklärende Hoffnung ziehen lässt: Dass nämlich im künftigen Leben die zwei Karajans, das selbstinszenierte Wunder und der private Restmensch, endlich perfekt zusammenstimmen würden. Wie nach ihm nur noch Pop-Ikone Madonna hat sich Karajan zum Medienmythos emporstilisiert. Alles sollte dem "Wunder" dienen. Eine der vielen Mythen, die Alby im Verlauf ihres Films taktvoll enttarnt: Da sieht man Karajan hinter der Kamera, die eigenen Hände filmend, hört eine Zeitzeugin davon reden, wie sie ihn bestärken musste, dass diese Hände auch wirklich schön sind.

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