Zeitung Heute : „Hart in der Sache, aber immer höflich“ Uni-Debattierclub-Chef Koschut über Redetalent

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Herr Koschut, endlose Monologe, lichte Ränge und eingenickte Zuhörer so sehen mitunter Debatten im Bundestag aus. Geht es in Ihrem Debattierclub genauso zu?

Nein, ganz im Gegenteil: Wer zu uns kommt, der hat Spaß am Debattieren. Wir treffen uns ein Mal in der Woche und diskutieren politische und gesellschaftliche Themen – in Pro- und Contra-Teams und nach klar festgelegten Regeln. Anschließend entscheidet eine Jury, wer die besseren Argumente hatte.

Gibt es so etwas wie den geborenen Redner oder kann jeder überzeugendes Argumentieren lernen?

Sicher gibt es Leute, denen das Debattieren besonders leicht fällt. Aber wie bei vielen anderen Dingen sind es meiner Ansicht nach ein Prozent Talent und 99 Prozent Arbeit, die einen guten Redner ausmachen. Jeder kann sich ein gewisses Handwerkszeug aneignen, kann lernen, seine Argumente zu strukturieren und seine Redebeiträge dadurch überzeugender und interessanter zu machen.

Haben Sie ein Patentrezept für die perfekte Rede?

Es gibt ein paar Grundregeln. Meine persönliche Devise: Hart in der Sache – höflich zum Menschen. Man sollte seinen Gesprächspartner ernst nehmen, ihm zuhören, ihn ausreden lassen. Sonst errichtet er schnell eine Mauer um sich. In der Sache aber sollte man „angreifen“. Dabei helfen vor allem Inhalt und Struktur. Man sollte sich klar machen: Was will ich sagen und wie gelingt mir das möglichst klar und systematisch?

Profitieren Sie auch außerhalb des Clubs von Ihren Redekünsten?

Auf jeden Fall, ganz besonders bei mündlichen Prüfungen und Referaten im Rahmen meines Studiums. Ich gliedere meine Vorträge besser, mache sie so für die Zuhörer verständlicher – und bekomme im Endeffekt bessere Noten. Außerdem: Wer etwas über Rhetorik lernt, der lernt gleichzeitig kritischer zu denken, ein Thema in seiner ganzen Bandbreite zu erfassen.

In der Berlin Debating Union diskutieren wesentlich mehr Männer als Frauen. Gibt es Unterschiede in der Argumentations-Taktik?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Männer versuchen vielleicht eher mit Autorität und Stärke zu überzeugen. Frauen gehen oft leiser zu Werke, verfügen aber über eine nicht weniger wirksame Waffe: Witz und Charme. Damit lassen sich viele Sympathien gewinnen.

Das Gespräch führte Silke Zorn.

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