Zeitung Heute : Harter Einsatz für die Krone in Tschechien

Günter Gensicke

Tschechien-Besucher mit größeren Einkäufen können sich in einem komplizierten Verfahren die Mehrwertsteuer erstatten lassen. Diese Regelung gilt seit dem 1. April, ist jedoch kein Scherz: Bei einer Mehrwertsteuer für Industriewaren von 22 Prozent erhält man immerhin 220 von 1000 Kronen wieder zurück. Diese Summe aber - 1000 Kronen - muss mindestens ausgegeben und die Ware dafür an der Grenze vorweisbar sein. Denn erst dann, wenn die Zollbeamten sie und die Ausfuhr des Gekauften bestätigt haben, kann die Krone zurückrollen.

Das Verfahren hat allerdings zwei Haken: Der eine ist die Frist von drei Monaten nach dem Kauf, in der die Rückforderung vollzogen werden muss, der andere die Notwendigkeit, sich das Geld, das man wiederhaben will, selbst beim Verkäufer abholen zu müssen.

Doch der Reihe nach: Bei der Einreise kann man sich, zumindest behaupten das Prager Menschen vom Zoll, Formulare aushändigen lassen, die für die ordentliche Abwicklung von Kauf und Zollvermerk erforderlich sind. Da die Sache jedoch erst richtig anlaufen muss, ist das nicht ganz so sicher. Doch es soll sie auch bei den Finanzämtern geben, nur muss man halt wissen, wo sich eines befindet.

Und größere Handelseinrichtungen wie Super- und Hypermärkte, die gegenwärtig wie die Pilze nach dem Regen auf einst grünen Vorstadtwiesen wuchern, wollen sie an den Kassen oder Informationsständen deponieren. Ebenso Fachgeschäfte, die von Ausländern bevorzugte Waren wie Porzellan, böhmisches Kristall, Bijouterie, Schmuck und ähnliches anbieten. Es bleibt letztlich den Händlern überlassen, ob sie sich einen Packen der Formulare vom Amte holen und griffbereit halten. Angegeben werden müssen darauf in jedem Fall das gute Stück, das da gekauft worden ist, der Preis, die gezahlte Merhrwertsteuer - tschechische Abkürzung DPH - und das Verkaufsdatum. An der Grenze zeigt man Ware und Zettel vor und lässt sich die Ausfuhr bestätigen.

Dann aber steht man da mit seinem Blatt Papier, bei weitem aber noch nicht mit seinem Geld. Denn das bekommt man erst, wenn man dort, wo die Ware eingekauft worden ist, wieder vorstellig wird und den Zollbeleg vorweisen kann. Wer also ohnehin die Absicht hat, in der nächsten Zeit an den Tatort zurückzukehren, der kann sich die Summe persönlich erstatten lassen. Oder irgendwen damit beauftragen. Nur muss die Ausfuhr des Erworbenen binnen 30 Tage nach dem Kauf und das Abwickeln der Rückerstattung in einem Zeitraum von drei Monaten vollzogen sein, sonst verfällt der Anspruch.

Im Entstehen sind allerdings Unternehmen, die dem Einkäufer die Müh- in Labsal zu verwandeln bereit sind. An den Grenzübergängen eröffnen sie gegenwärtig in Eile ihre Büros, von wo aus sie Erledigung der Wege und Eintrieb des Geldes anbieten. Das sie dann - je nach Wunsch - auszahlen, auf ein Konto überweisen, als Schecks verschicken und so weiter. Gegen einen kleinen Anteil natürlich, der gegenwärtig mit rund 30 Prozent der zu erstattenden Steuer benannt wird. Und der sich in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage schnell ändern kann. Wobei einige dieser Firmen bereits ein festes Hinterland aufbauen und aufs Ganze gehen: Sie schließen Alleinvertretungsverträge mit Großanbietern in Grenznähe oder gleich mit den Zentralen republikweiter Verkaufsketten ab.

Die Regierung in der Moldau-Metropole setzt darauf, dass mit dieser Regelung, die ja eigentlich eine Preissenkung für Ausländer darstellt, das Interesse am Kauf tschechischer Waren oder besser - von Waren in Tschechien - angekurbelt wird. Sie nimmt dafür die Einbuße an Steuern sicher nicht gern, aber halt doch in Kauf. Es handelt sich immerhin um geschätzte 1,5 bis zwei Milliarden Kronen.

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