Zeitung Heute : Hat ein britischer Agent im Netz Spione verraten?

Das Internet hat sich als Sicherheitsrisiko für rund hundert britische Spione entpuppt, deren Namen und persönliche Daten am Mittwoch kurzzeitig über eine Web-Adresse in den USA veröffentlicht wurden.

Die Veröffentlichung über Mitarbeiter des Secret Intelligence Service (SIS), dem ehemaligen MI6, "könnte Menschenleben in Gefahr bringen", warnte Konteradmiral David Pulvertaft vom Verteidigungsministerium in London.Er sagte zwar nicht, wer hinter der Veröffentlichung steckt, vieles deutete aber auf den 1995 entlassenen britischen MI6-Agenten Richard Tomlinson hin.Der 35jährige war im Dezember 1997 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er einem australischen Verleger einen Buchentwurf über seine Agentenkarriere unterbreitet hatte.Von seinem Wohnort Genf aus unterhält er eine Internet-Seite, auf der er mehrfach mit brisanten Enthüllungen drohte.

Auf der Seite befanden sich nach einem Bericht der "Financial Times" die Namen von 116 MI6-Agenten.Die britische Regierung erreichte zwar eine rasche Schließung der kalifornischen Internetseite, fürchtete aber, daß Internet-Freaks die Informationen auf anderen Seiten verbreiten könnten, um gegen die aus ihrer Sicht erfolgte Zensur zu protestieren.Dagegen könne London nur wenig tun, räumte Pulvertaft ein.Das Ministerium appellierte an die Medien, die Internet-Adresse nicht zu veröffentlichen.

Tomlinson, der seit Mai 1998 auf freiem Fuß ist, hatte auf seiner Schweizer Internet-Seite damit gedroht, die verbotene Zusammenfassung seines Buches zu veröffentlichen.Außerdem werde er eine Liste von MI6-Mitarbeitern weltweit verbreiten und ausführliche Angaben über aktive Geheimdienstmitarbeiter machen.Die britische Regierung hatte daraufhin in Genf die Schließung des Internet-Angebots erreicht.Außerdem wurde Tomlinson untersagt, die brisanten Informationen anderweitig zu verbreiten.

Der Anwalt Tomlinsons, John Wadham, rief die britischen Behörden am Donnerstag zu einer Einigung mit seinem Mandanten auf, der sein Schweigen im Gegenzug für ein "normales Leben" anbiete.Tomlinson diente vier Jahre für den MI6 in Moskau und Bosnien.In London war er in der Abteilung für Rüstungsangelegenheiten in Iran.Er wirft der Behörde vor, ihn ungerechtfertigterweise entlassen zu haben.

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