Zeitung Heute : Hatepage

MARKUS EHRENBERG

Ist das Internet ein rechtsfreier Raum? Sollten Juristen auf Online-Recht umsatteln? Eine spannende Medien-Frage erfreut sich seit vergangenem Donnerstag gesteigerter Aufmerksamkeit - und scheint sich zu beantworten.

Der Leiter der Hamburger Marseille Kliniken AG, Ulrich Marseille, hat eine Homepage ins Internet gestellt: "Warum das Manager Magazin seine Leser täuscht" - eine Abrechnung mit einem Artikel aus der Februar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins.Dort attestierte Journalist Sören Jensen dem Klinik-Chef einen "selbstherrlichen und menschenverachtenden Führungsstil".

Jensens Artikel beschäftigte sich mit dem "Ruf" der Marseille-Kliniken, doch darum geht es in diesem Zusammenhang nicht.Mehr um die Art und Weise, wie öffentlichkeitswirksam sich Marseille wehrt - im Internet, worauf der Gescholtene sogar noch in bundesweiten Anzeigen hinweist (am Freitag auf der Medienseite der "Süddeutschen", wo selten eine Anzeige erscheint).Die Frage ist nicht nur: Muß sich der Chefredakteur des "Manager Magazins", Wolfgang Kaden, eine Homepage gefallen lassen, auf der von "der Road-Show eines einsamen Chefredakteurs" und seinen "Pressbengeln" die Rede ist? Irgendwie fehlt in diesem Spiel auch noch Medienanwalt Matthias Prinz.Der bleibt in seiner Kanzlei.Das "Manager Magazin" nahm die Sache am Freitag selbst in die Hand.Ebenfalls online.Auf www.manager-magazin.de brachte Kaden seine Sicht der Dinge unter.Tenor: Marseilles "offenbar gestörtes Verhältnis zur Wahrheit".

Da steht nun Homepage gegen Homepage, oder besser Hatepage gegen Hatepage.Früher wurde in Sachen Unterlassung Herr Prinz bemüht.Ein teurer Spaß.Das Internet regelt das jetzt von alleine.Aufmerksamkeit ist die Ware, mit der online gehandelt wird."Ich würde das begrüßen, wenn die Auseinandersetzungen öfters übers Internet geführt werden.Dann wird nicht jede Lappalie gleich vor Gericht getragen", sagt Anwalt Christian Czychowski.Der ist Spezialist für Online- und Multimediarecht und könnte von einem Streitfall "Marseille gegen Manager Magazin" auch ganz gut leben.

Und warum verzichtet Kaden auf eine einstweilige Verfügung (die genauso möglich wäre wie bei Printmedien)? "Das würde den Herrn Marseille noch mehr aufwerten." Genau.Warten wir auf die nächste Hatepage.Werden wir kein Online-Jurist.Oder blättern wir einfach weiter.

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