Zeitung Heute : Hausgemacht

Die Bundeswehr muss sparen – daran hält Minister Struck fest. Und genau deshalb könnte die Nutzung des Luft-Boden-Schießplatzes in Wittstock sinnvoll sein

Rainer W. During

Weniger, kleiner, günstiger – diese Begriffe sind auch dem Verteidigungsminister bestens vertraut. Deshalb spricht er auch kurz vor Antritt seiner Sommerreise, während der er deutsche Kasernen besucht, nicht nur davon, dass Dinge – wie der Afghanistan-Einsatz – ausgebaut werden müssen. Er sagt auch, dass er an seinen Sparplänen festhalten will: weniger Flugabwehrraketen, Hubschrauber und Schnellboote, „bis zu 90“ weniger Tornado-Kampfflugzeuge, kleinere Einheiten, günstigeres Arbeiten und damit die Schließung von Standorten und die Auflösung ganzer Geschwader.

Mit radikalen Maßnahmen will Peter Struck (SPD) Milliardenbeträge einsparen und so den Wandel der Bundeswehr von der Landesverteidigungstruppe zur internationalen Krisenstreitmacht unter dem Dach von Nato und EU finanzieren.

Auch die Kampfbomberpiloten müssen den neuen Anforderungen genügen und deshalb bereit sein für Tiefflugeinsätze auch unter gegnerischer Abwehr. Dafür reicht das jährliche Training in Nevada oder Sardinien nicht mehr aus. Deshalb drängt die Luftwaffe auf die umstrittene Inbetriebnahme des Wittstocker Luft-Boden-Schießplatzes „Bombodrom“. Das einst von der Roten Armee genutzte 12000-Hektar-Areal hat die sechsfache Fläche der bisher größten Anlage in Nordhorn. Nur hier lassen sich im Inland – vergleichsweise preisgünstig – taktische Einsatzübungen fliegen, bei denen Angriffe unter einer simulierten Bedrohungslage trainiert werden. Bisher hat das jeder Pilot einmal jährlich auf Sardinien und jedes zweite Jahr in Nevada geübt. Dazu kommen höchstens sechs Wochen Tiefstflugtraining in Kanada.

Angesichts der neuen Aufgaben viel zu wenig, sagen die Militärs. Beim einstmals befürchteten Angriff des Warschauer Paktes auf die Nato-Staaten hätte es genügend Vorwarnzeit gegeben, um die Ausbildung erst bei erkennbaren Kriegsvorbereitungen der Gegenseite zu intensivieren. Kriseneinsätze würden dagegen kurzfristige Reaktionen erfordern, die entsprechenden Einheiten müssten jederzeit für den sofortigen Marschbefehl gerüstet sein. Eine Ausweitung des taktischen Trainings im Ausland – der Anteil liegt gegenwärtig bei 75 Prozent – kommt schon aus finanziellen Gründen nicht in Frage.

Die notwendige Verlegung eines Verbandes reißt empfindliche Löcher in den aus militärischer Sicht ohnehin mageren Etat. Bis zu eine Million Euro kostet ein mehrwöchiger Trainingsaufenthalt in den USA. Umgekehrt lässt sich mit der Vergabe von Übungsterminen auf den heimischen Plätzen an befreundete Luftstreitkräfte keine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Nach dem Nato-Truppenstatut erfolgt die gegenseitige Bereitstellung der Übungsanlagen kostenlos. Noch ist nur von Zusatzübungen die Rede, die in Wittstock geflogen werden sollen. Damit wird die vorgesehene Höchstzahl von bis zu 1700 jährlichen Einsätzen mit jeweils durchschnittlich fünf Zielanflügen kaum erreicht werden. So erscheint es denkbar, dass sich das Verteidigungsministerium bei weiterhin angespannter Haushaltslage entschließt, einen Teil des bisherigen Auslandstrainings nach Wittstock zu verlagern. Dann kehrten die Jets nach ihren Schießeinsätzen zu ihren jeweiligen Heimatbasen zurück, wo die Maschinen gewartet werden. Die Kosten für die langen Überführungsflüge und die Unterbringung der Besatzungen entfallen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!