Zeitung Heute : Haustiere: Mieze will vor allem frei sein

Sven Appel

Wer kennt sie nicht, die streunenden Katzen und Hunde in den Urlaubsorten rund ums Mittelmeer. Sie tun einem Leid, wenn sie in der Mittagshitze im Hafen auf ein paar Abfälle von Fischerbooten warten. Man kann sie glatt lieb gewinnen, wenn sie einem abends auf der Promenade um die Beine streichen. So mancher Urlauber lässt sich dann dazu hinreißen, eines der Tiere mit nach Hause zu nehmen. Doch das sollte nur im absoluten Notfall geschehen.

"Nur wenn das Tier sonst sterben würde, sollte man es mitnehmen", sagt Katrin Umlauf, Referentin für Auslandstierschutz beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Schon beim Füttern der Tiere ist es ratsam, mit Bedacht vorzugehen: Es macht wenig Sinn, die Vierbeiner etwa vor Restaurants oder auf der Promenade zu füttern. Dort werden sie höchstens verjagt, oder - schlimmer noch - eingefangen und getötet. Außerdem vermehren sich die herrenlosen Tiere durch die Fütterung verstärkt. "In der Regel finden sie genügend Futter auch ohne die gut gemeinten Gaben der Touristen", so Umlauf.

Um das Problem mit den kleinen Streunern grundsätzlich in den Griff zu bekommen, sei es sinnvoller, Tierheime vor Ort bei ihren Bemühungen zu unterstützen, erklärt Katrin Umlauf. "Dazu gehören zum Beispiel Spenden für Kastrationsprogramme." Aber auch tatkräftige Unterstützung sei gefragt. Beispielsweise könnten Tierarzthelferinnen ein paar Tage in einem Tierheim vor Ort assistieren. Eine Liste von als seriös geltenden Heimen hält der Tierschutzbund für Interessenten parat.

Wer dennoch den Entschluss fasst, ein Tier mit in die Heimat zu nehmen, muss sich zunächst überlegen, wie es mit dem neuen Liebling zu Hause weiter geht. Es ist zu bedenken, dass die schnuckelige Katze aus dem Süden sich daheim schnell zur verhaltensgestörten Kratzbürste entwickeln kann. "Streunende Katzen sind es gewohnt, frei zu leben", sagt Katrin Umlauf. Diese Tiere fühlen sich eingeschlossen in der Wohnung oft nicht mehr wohl. Die anfängliche Zutraulichkeit kann dann schnell schwinden.

Ein weiteres Problem, das durch das Mitbringen von Tieren aus anderen Ländern entstehen kann, ist das Einschleppen von in Deutschland noch nicht verbreiteten Krankheiten. Deshalb ist ein Gesundheits-Check bei einem Veterinär vor der Rückreise unerlässlich und auch gesetzlich vorgeschrieben. "Dazu gehört eine Tollwutimpfung", erklärt Astrid Behr vom Bundesverband Praktischer Tierärzte in Frankfurt. Die Preise sind je nach Land und Arzt unterschiedlich und liegen bei umgerechnet 50 bis 100 Mark.

In jedem Fall müssen sich die angehenden Tierbesitzer beim Konsulat und dem Veterinäramt über entsprechende Aus- und Einfuhrbestimmungen erkundigen, rät Tierschützerin Katrin Umlauf. Ansonsten kann es passieren, dass das Tier bis zu 60 Tage in Quarantäne verbringen muss. Schlimmstenfalls wird das Tier sogar vom Heimatflughafen aus mit der nächsten Maschine zurückgeschickt.

Wer mit dem Flugzeug reist, darf die Rechnung nicht ohne die Fluggesellschaft machen: "Spätestens einen Tag vorher sollte man bei unserer Service-Hotline anrufen und sich danach erkundigen, ob in der Maschine noch entsprechend Platz vorhanden ist", erklärt Daria Ezazi, Pressesprecherin der LTU in Düsseldorf. Bei einem Gewicht bis zu fünf Kilogramm inklusive Transportbehälter dürfen Hund und Katze auf Flügen innerhalb Europas mit in die Kabine. Sonst geht es in den Frachtraum. Der Behälter muss geschlossen, luftdurchlässig und wasserdicht sein sowie über ein Sichtfenster verfügen. Eine solche Tragebox gebe es notfalls auch am Schalter.

Die Beförderung eines Tieres berechnet die LTU nur, wenn das Gewicht die ohnehin gewährte Freigepäckgrenze überschreitet. Ähnliche Regelungen gelten für den Tiertransport bei der Deutschen Lufthansa. Allerdings sind hier in der Kabine Hunde und Katzen bis zu einem Gewicht von acht Kilogramm inklusive Box gestattet, heißt es bei der Fluggesellschaft in Frankfurt. Auch die Lufthansa bietet an ihren Schaltern entsprechende Behälter - diese sind ebenso kostenlos wie die Beförderung der Haustiere auf innerdeutschen Flügen.

Wer sein Tier im Auto mitnimmt, muss auf ausreichende Pausen achten und für eine gute Versorgung mit Wasser sorgen. Darüber hinaus darf das Auto nicht in der prallen Sonne abgestellt werden, warnt Astrid Behr. Bei Stopps sollte immer auf gute Belüftung geachtet werden.

Grundsätzlich sollte, wer ein Tier möchte, in Tierheimen Ausschau halten, rät Katrin Umlauf. Hier lassen sich die Tiere über längere Zeit beobachten. So kann geprüft werden, ob das Tier überhaupt zu einem passt. Ein weiterer Vorteil bei Tieren aus Heimen ist, dass ihre Vorgeschichte häufig bekannt ist. Dadurch lasse sich besser berücksichtigen, ob die Tiere zum Beispiel Freilauf brauchen oder sich vielleicht nicht so gut mit Kindern verstehen.

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