Zeitung Heute : Heavy Metall

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

Unser Arzt fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin

Der Geschmack ist unverkennbar. Wenn man sich aus Versehen auf die Zunge oder die Lippe gebissen hat, steigt er einem sofort in die Nase. Blut schmeckt nach Metall. Und das ist kein Zufall. Denn Blut hat ein Herz aus Eisen. Ohne Eisen wäre das Leben auf der Erde so gut wie undenkbar. Eisen bindet und transportiert Sauerstoff, ermöglicht die Photosynthese, hält den Stickstoff fest und lässt uns atmen.

Dabei ist das Metall nur ein Beispiel von vielen. Angefangen bei Mikroorganismen wie Bakterien bis hin zu Tieren und Pflanzen bedienen sich alle Lebensformen der doch auf den ersten Blick so lebensfeindlichen Metalle.

Aber in der Natur gibt es bekanntlich kein Essen umsonst. Auch Metalle haben ihre Schattenseite, und die ist heute bekannter als ihre segensreichen Wirkungen: Vergiftungen, etwa durch Schwermetalle wie Kadmium und Blei. Selbst lebenswichtige Erze wie Eisen, Zink oder Kupfer können in hoher Dosis gefährlich werden. Denn ihre chemische Reaktionsfreudigkeit macht sie zu potenziellen Giften. Deshalb hat der Körper eigene Transportsysteme für Metall-Ionen, die sicherstellen, dass diese nur dort wirken, wo sie auch wirken sollen.

Aber bleiben wir lieber bei den positiven Seiten der Metalle. In der Medizin haben sie in den letzten Jahren zusehends an Boden gewonnen. Mit Platin-Präparaten werden Krebszellen in den Selbstmord getrieben, Wismut-Salze trocknen das Magengeschwür aus, Lithium verringert die Gefahr von Depressionen und exotische Elemente wie Technetium und Gallium erleichtern den Durchblick bei Kernspin- oder Computertomographie-Aufnahmen.

Viele dieser Medikamente und Präparate verdanken sich Zufallsfunden. Mittlerweile arbeiten Chemiker aber auch systematisch an der Entwicklung neuer Mittel, bei denen Metalle im Zentrum stehen. Eines von ihnen ist Vanadium, ein im reinen Zustand hartes und sprödes, stahlgraues Metall. Es gibt erste Versuche, Vanadiumverbindungen gegen Diabetes einzusetzen Andere Forscher beschäftigen sich damit, den Metallstoffwechsel im Körper zu beeinflussen oder Metall-Komplexe so zu komponieren, dass sie gezielt auf den Körper wirken. Auch die Medizin der Zukunft könnte also metallisch schmecken. Zumindest ein bisschen.

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